Transhumanistik: "HUXLEARYVOLUTION"

(DIE SANFTE VERMÖBELUNG)

Selten schreibt Tom de Toys überhaupt Prosa, und wenn, dann nur als sogenannte Antiprosa, weil er weder Figuren formt noch Geschichten erzählt. Genau genommen handelt es sich um Neuroprosa, die sowohl der automatischen Schreibtechnik als auch dem antimetaphorischen Assoziationsfluss verpflichtet ist. Der satirisch-spirituelle Essay "HUXLEARYVOLUTION (DIE SANFTE VERMÖBELUNG)" ist solch eine zugleich surreale, hyperreale und transreale Collage aus tiefenphilosophischen & tagespolitischen Anspielungen. Schon immer beschäftigt sich De Toys nicht nur in seiner Direkten Dichtung als Neuropoelitiker (ein Neologismus aus Neurologie, Politik und Poesie) mit den GRUND(LOS)BEDINGUNGEN DER MENSCHLICHEN "INWESENHEIT", sondern scheut nicht davor zurück, fälschlicherweise als paranoid oder esoterisch abgestempelt zu werden, wenn er mit satirischem Ernst unzeitgemäße mystische und kosmische Elemente in seine neurosoziologischen Abhandlungen einstreut.

DIE VERGANGENHEIT DER ZUKUNFT (c) De Toys, 25.4.2011 (Hauptbahnhof, Berlin) DIE VERGANGENHEIT DER ZUKUNFT (c) De Toys, 25.4.2011 (Hauptbahnhof, Berlin)

"Denn letztlich zählt nur jede Gegenwart. Deine eigene Gegenwart. Die ekstatische Erinnerung an Dein Dasein. Diese Rückkehr ins direkte Mitspielen. Und das Beste draus machen. Wer weiß, was noch alles passieren könnte, wenn Du Dich einläßt. Die Welt ist sehr groß, vielleicht sogar größer als bisher vermutet. Weder räumlich noch zeitlich. Nicht geistig. Nicht sinnlich. Aber vielleicht irgendwie anders. Prüfe Deine Bewußtheit. Deine Aufmerksamkeit. Deine Wachheit. Und Fähigkeiten. Prüfe rundum Dein Empfinden für das, was unmittelbar umgibt. Das ist der Kontakt, mit dem alles beginnt."
De Toys, in: SONNTAGEN (30.1.2000)

 

Tom de Toys, 27.10.2008, 9-12 Uhr @ CROSSI (Pannierstreet 56)

+ finale Ergänzung am 26.4.2011 (13:13h)


HUXLEARYVOLUTION

(DIE SANFTE VERMÖBELUNG)


Was ist eigentlich aus der sogenannten BEWUßTSEINSREVOLUTION geworden, die mit Huxley, Watts und Leary Mitte des letzten Jahrhunderts begann? Michael Murphy und Stanislav Grof gehören zu den letzten lebenden Veteranen, aber wer kennt sie schon außerhalb von transpersonalen Spezialistenkreisen! Hast Du Dich auch schonmal gefragt, was die Helden Deiner Jugend heutzutage machen, während Du einen stinknormalen Montagmorgen irgendwo auf dem Planeten mit den vertrauten Ritualen beginnst, um gar nicht erst darüber nachzudenken, wie langweilig und sinnlos nicht nur Dein eigenes Leben ist sondern ALLE ÜBERALL GLEICHZEITIG ihrer gewohnten Beschäftigungstherapie nachgehen. Ich nenne das ab jetzt die "strukturelle Diktatur der Normalität" (SDN), die sich an Regentagen als subtile Melancholie bemerkbar macht: Du erinnerst Dich plötzlich wehmütig an die erste große Liebe, Deinen ersten Urlaub ohne Eltern und den ersten Waldspaziergang unterm prall leuchtenden Vollmond... Was ist seitdem geschehen? Du bist älter geworden, einfach nur älter, älter und immer älter. Wenn du Glück hast sogar gesund geblieben. Oder zumindest nicht todkrank. Womöglich hast Du eine zweite Sprache gelernt, um irgendwo im Ausland jemandem zu erzählen, woher Du kommst und was Du so alles im Alltag machst. Danach wird das Gespräch wieder aufs gute Essen gelenkt, garniert mit kurzen Kommentaren über die kritische Weltlage - und alle wissen, was gemeint ist: die Klimakatastrophe, der Bankenskandal und die Genforschung. Kein Wort zuviel. Das richtige Gemisch an Floskeln für die jeweilige Situation. Sogar Tiefgang mutiert zu Smalltalk - und überhaupt: habe ich grade "kritisch" gesagt? In der schönen neuen SDN-Welt gibt es keine echte Kritik, weil jede Kritik erlaubt ist, ohne etwas zu verändern! Jeder ist bemüht, seine Position stabil zu halten und klüngelt dafür mit jedem, der sich die Langeweile mit ähnlichen Hobbys totschlägt. Willkommen im Sandkasten der Erwachsenen! Spiel mit mir oder ich klau Dir Dein Förmchen! Es gibt keine religiösen Fanatiker. Es gibt auch keine politischen Fanatiker. Es gibt nur massenweise Menschen, die froh sind, wenn sie irgendwo mitspielen dürfen. Und jeder beteiligt sich an der Erfindung von Spielregeln, indem er einfach nicht mehr macht, als dort zu sein, wo er ist. Ein lückenloses System absorbierter Individualität. Protestiert jetzt wer da hinten in der letzten Reihe? Das Individuum braucht mittlerweile keinen freien Willen mehr, erstrecht keine unsterbliche Seele. Das postmoderne Leben begnügt sich mit Befriedigung der überlebenswichtigen Grundbedürfnisse und erklärt jedem den Krieg, der die eigene Ruhe stört. Die allgemeine Leichenstarre. Getarnt als Turnübungen für Zombies. An Strandbars und in Edelbordells. Kein Sand mehr im Getriebe. Der Sand ist aus Plastik. Die Welt ist kein quantenmechanisches Mysterium sondern ein billiges Feinstaubgemisch aus glitzerndem Plastikmüll, der über das Plankton auf dem Meeresgrund an die Menschmaschine verfüttert wird. Adornos Dialektik ad absurdum: Sand war gleich Natur und Plastik wurde Kunst, doch wenn der Sand aus Plastik, ist NATUR GLEICH KUNST und alle sind Kunstwerke. Beuys wäre geschockt, aber seine Asche leuchtet in den nördlichen Glühwürmchen noch lange nach. Oder sind es doch Elfen mit Vampirzähnen? Der elektrische Leib von Walt Whitman wird jedenfalls endlich unter Starkstrom wiederbelebt und dabei zufällig das letzte Weltwunder entdeckt: Einsteins Gehirnhäppchen passen perfekt in Whitmans hohlen Schädel. Kinder hatten das glitschige Puzzle unterm Weihnachtsbaum zusammengefügt und erhielten dafür den Jugendforscht-Nachwuchspreis, weil des Dichters Schädel gläsern zu leuchten begann und das erste Wurmloch nun wie eine Wunde im Weltall aus ihm klafft. Mikroskopische Quantenraumschiffe transportieren schon bald die ersten Milliardäre ins kosmische Urlaubsexil und wir kennen es aus der Geschichte: In keinen hundert Jahren können sich sogar Hartz4-Empfänger einen Sonntagsausflug in eine ferne Galaxie leisten. Montags sitzen sie dann alle wieder an ihrem üblichen Platz in der Stammkneipe. Es regnet. Der Gesprächsstoff reicht aus, um die Verzweiflung über die Sinnlosigkeit der Routine in Schach zu halten. Die sanfte Revolution der Normalität hat etwas beinahe Romantisches: Alle sind gut und geschmeidig übers Spielfeld verteilt, jeder Atemzug ein Schachzug, um die neurochemische Kollektivhypnose permanent zu stimulieren. Nirgends eine Nische, um den Atem anzuhalten. Aus dem Traumpaar Eros und Psyche wurde Latex und Psychopharmaka. Der letzte Zenmeister verkauft seine Peitsche, um die Miete für den laufenden Monat zu bezahlen. Wir leben in der sogenannten Gegenwart - der totalen Gegenwart ODER ZUMINDEST DER SUBTIL TOTALITÄREN ohne metaphysische Möglichkeit zu flüchten...

 

WEITERFÜHRENDE LITERATUR:

 

Luigi De Marchi: DER URSCHOCK (1984)

Aldous Huxley:
Schöne Neue Welt (1932)

Alan Watts:
Vom Geist des Zen (1935); Die sanfte Befreiung (1939); Weisheit des ungesicherten Lebens (1951); Kosmologie der Freude - Abenteuer in den Welten des Bewusstseins (1962); Die Illusion des Ich (1966); Erotic Spirituality - The Vision of Konarak (1971); ZEIT ZU LEBEN (1972); Der Lauf des Wassers - Die Lebensweisheit des Taoismus (1975)

Norbert Wiener:
Mensch und Menschmaschine - Kybernetik und Gesellschaft (1950)

Marilyn Ferguson:
Die Sanfte Verschwörung. Persönliche und gesellschaftliche Transformation im Zeitalter des Wassermanns (1980)

Timothy Leary:
Neuropolitik. Die Soziobiologie der menschlichen Metamorphose (1981); Neurologic (1993)

Robert Anton Wilson:
DER NEUE PROMETHEUS (1983)

Hans A. Pestalozzi:
Die sanfte Verblödung. Gegen falsche New Age-Heilslehren und ihre Überbringer - Ein Pamphlet (1985)

Michael Murphy:
Der Quanten-Mensch (1992)

Stanislav Grof:
Kosmos und Psyche. An den Grenzen menschlichen Bewußtseins (1997)

Dr. Egon Denkmal:
ANTITOURISMUS STATT ANTITERRORISMUS - PLÄDOYER FÜR EINEN "HOLISTISCHEN HUMANISMUS" (1999)

 

(Auswahl spirituell-psychologischer Literatur von Psychosynthese bis Extremesoterik) (Auswahl spirituell-psychologischer Literatur von Psychosynthese bis Extremesoterik)
Pages to the People

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Mein kommender Best-OFF-Lyrikband: "BODENLOS VERWURZELT WIE EIN STERN" mit 88 ausgewählten Gedichten aus 2 Jahrzehnten!

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Das legendäre 1993er-Gedicht INFLATION aus dem ersten Werkquerschnitt "Die Welt als Schock und erweiterte Tatsache" IST JETZT KOMPLETT ONLINE ZU LESEN SOGAR MIT HÖRVERSION!!!

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CHRONIK DES LAUFENDEN WERKPROZESSES: LINKS ZU  73  TOPAKTUELLEN TITELN NEUER GEDICHTE

EVERGREEN: DIE NEUKÖLLNER STUNDE NULL (oder: die peinlichste Szene-Schote 2002: Was Sie schon immer mal über Ben Becker & Bertolt Brecht wissen wollten!)

Der wichtigste "schmal-lange" politische Text des Jahres 2011 als GASTBEITRAG hier: Clemens Schittko "Der nullte Kaddish" und das brandneu gastierende 2012er-Politpoem von Kai Pohl "Durchgeknallte Materie"

Mein allergrößter literarischer Mißerfolg (2003) auf nationaler Ebene: die überdadaistische Hommage an Hans Arp mit allen Hintergrunddetails!

Mein schönstes Erlebnis als Lyrik-Rezitator (2010) am 10. Weltpoesietag 21.März mit Gedichten von Hans Vogt: WORLD POETRY DAY

 

De Toys, 23.1.2009

OVERWOR(L)DED
(BE-ing NOWhere)
[12.PRAYER OF TRANSRELIGIOUS HOLeISM]

no sun no moon no galaxy
no thoughts of nothing and
no nothing no illusions and
no truth no question but
no need for answers
is the answer just
awake aware arrived
where this is
called the only THIS
AND THAT is sure
like nothing more than THIS
AND THAT turns mad
if you can't love it
like the laughter
of your lover
of your laughter
til the end of time
within this mOMent
that is touching
as you know it
now from inside
where the emptiness
turns outside
showing this is
no side never

 

De Toys, 17.1.1993

KINDHEIT

ich wachte auf
die sonne schien
und ich
fing wieder an
zu spielen

 

De Toys 1970 @ TomDeToys.de De Toys 1970 @ TomDeToys.de

 

"Auch heute noch blickt der Realist nur nach außen und ist sich nicht bewußt, ein Spiegel zu sein. Auch heute noch blickt der Idealist nur in den Spiegel und kehrt der realen Außenwelt den Rücken zu. Die Blickrichtung beider verhindert sie zu sehen, daß der Spiegel eine nicht spiegelnde Rückseite hat, eine Seite, die ihn in eine Reihe mit den realen Dingen stellt, die er spiegelt: Der physiologische Apparat, dessen Leistung im Erkennen der wirklichen Welt besteht, ist nicht weniger wirklich als sie."
Konrad Lorenz, in: DIE RÜCKSEITE DES SPIEGELS (1973)

ARATIONALER ASTRONAUT (c) De Toys, 21.1.2006 @ www.URENGEL.de ARATIONALER ASTRONAUT (c) De Toys, 21.1.2006 @ www.URENGEL.de

 

De Toys, 9.2.2005

KU(E)R-Zen!

jeden morgen
wach ich auf
und denke
es ist wirklich
ein geschenk
und wunder
noch zu leben
wieder da
zu sein
die welt
zu spüren ganz
egal in welchem
zustand
alle körper
alle kriege
sich befinden
denn der tod
kommt sowieso
viel früher und
viel schneller
als uns recht
ist jede
einzelne sekunde
lohnt sich
mit der inbrunst
ihrer kurzen
gegenwart
als ewigkeit
zu würdigen