"Man ist nicht, wie Eltern und Lehrer einem weismachen wollen, ein bloßer Fremdling im Weltsystem, sondern gleichsam das Ende einer Nervenfaser, durch welches
das Universum sich selbst betrachtet. Aus diesem Grund hat beinahe jeder Mensch tief im Inneren ein unbestimmtes Ewigkeitsgefühl. Wenige haben den Mut, sich
dazu zu bekennen, denn das würde auf den Glauben hinauslaufen, daß man selbst Gott sei."
Alan Watts, in: ZEIT ZU LEBEN (1972)
Tom de Toys, 29.7.2005
DIE MYSTISCHE INFLATION
Bevor ich dank der Quantenloch-Erfahrung am Kölner Decksteiner Weiher (5.5.1989) meinen neuen sogenannten
"KONTAKTIVEN" Transrealistik-Stil (Integraler Impressionismus) entwickelte, habe ich durch und durch "klassisch-modern" ABSTRAKT gemalt und dabei auch die
üblichen Phasen vom Naturalismus über den Surrealismus vorher durchlaufen, allerdings im jugendlichen Schnellverfahren: die Stile waren direkt an meine seelische Entwicklung gekoppelt und konnten
dementsprechend schnell wieder abgestoßen werden. Sowohl meine dänische Oma als auch deren Schwester (meine Großtante Merete Lundbye) aus dem Verwandtschaftskreis des Malers des "Goldenen
Zeitalters" Thomas Lundbye (1818-1848) wie auch mein Vater sind allesamt der Landschaftsmalerei verpflichtet. Mein Vater hat mir das Malen mit Ölfarben versucht beizubringen, als ich 12 Jahre
jung war - leider konnte ich mich dafür nicht wirklich begeistern (es war mir zu aufwendig: das richtige Mischungsverhältnis, das Warten aufs Trocknen etc, die VISIONÄRE UNGEDULD trieb mich schon
immer!), aber ihm habe ich trotzdem etwas Essenzielles zu verdanken, was er mir damals am Beispiel der sonnenbeschienenen runden Wand einer Windmühle erklärte: den sogenannten "malerischen" (oder
auch "direktfotografischen") Blick. Daß eine weiße Wand zum Beispiel im Schatten nicht wirklich weiß ist, wenn man auf die "reale" Lichtreflexion achtet, sondern je nach Umfeld und Sonnenstand in
violetten bis braunen Nuancen schimmert, das war für mich fast ein Schock! Plötzlich kannte ich zweierlei Wahrnehmungen, dadurch daß meine Augen lernten, nicht mehr von einem vorgefertigten
Wissen, einer "objektiven" Erinnerung auszugehen (dem platonischen BEGRIFF) sondern umzuschalten auf den situativen Sinneseindruck (die Impression!), eine Art Scharfeinstellung der Augen: von
einer abstrakten, allgemeinen Distanz hin zu einem konkreten BEGREIFEN. Bei diesem Umschaltvorgang rasen die Dinge in Sekundenschnelle wie magnetisch angezogen aus der Ferne ganz dicht vor die
Augen, so als ob ich plötzlich direkt vor einer riesigen Kinoleinwand stünde und die einzelnen Pixel erkennen könnte! Die Welt hatte plötzlich zwei Seiten: den "angeblichen" gemeinsamen Nenner
(das war aber nur der eingebildete ideale Schein der Dinge) und die "außergewöhnliche" Natur (das phänomenale reale Sein), die allerdings gar nicht wirklich außergewöhnlich war sondern eben nur
gewöhnungsbedürftig. Als dann später diese seltsame lochistische Durchflutung mit der innersten Leere hinzukam (der Lochismuß ist am ehesten mit dem Taoismus
vergleichbar, wie ich seit der Lektüre von Alan Watts weiß), schloß sich der Kreis zu einem integral-impressionistischen Z A U B
E R Z I R K E L mit unendlichen Übergangsstadien: das Licht als das innerste Nichts der Materie (ihre paradoxerweise gleichzeitige Abwesenheit, die Nichtexistenz alles Seienden)
durchströmte die gesamte dinghafte Struktur der Wahrnehmung wie ein Energiemeer aus reinster Leere, das die Materie in ihren verschiedensten flüssigen (feinen) bis festen (grobstofflichen)
Schwingungsformen erscheinen ließ. Seitdem interessieren mich in der Malerei nicht mehr vorrangig die einzelnen Aggregatzustände des Lebens (sie sind
austauschbar und vergänglich) sondern diese ungeheuerliche Tatsache, daß es das Leben (und damit meine ich das gesamte Universum) überhaupt gibt! Die totale Saynsfühlung durch alles
hindurch. Meine 200 Frühwerke
(Zeichnungen, Vorstudien, Gemälde) beschreiben sogesehen bewußtseinsmäßig eine Art MYSTISCHE INFLATION, die ich neurophilosophisch durchlaufen mußte, bevor mir der
Sprung durch das Loch in der überall vorhandenen leeren Mitte passierte (die mir bis dato einfach nicht aufgefallen war), aus deren Raumlosigkeit heraus ich nun mit einer Art "Umkehrblick" im
doppelten Sinne in die vielperspektivisch vernetzte Welt schaue. Gedichte aus jenen frühen Tagen (1985-1989) waren geprägt von den aufkeimenden spirituellen Fragen, verstärkt durch die
Meditationserfahrungen (Imaginationsreisen & Kreuzmeditation nach Alfons Rosenberg) und die Lektüre von Aldous Huxley, Martin Buber & Erich Fromm.
Hätte ich die "WEISHEIT DES UNGESICHERTEN LEBENS" von Alan Watts damals schon gekannt, wären mir vielleicht einige Depressionen erspart geblieben, aber ich mußte quasi alles selbst entdecken, was
mir heutzutage in seinen Büchern so selbstverständlich und vertraut erscheint...
Tom (de) Toys, 5.11.1988
KRISTALL
Edel
Bis Du
Blitz
Und Stein
Geteilt
Grün endlich
Blau vereint
Narziß
Dich finden
Durch den
Wüsten Wald
Im lila Licht
Bald blutig
O wie weiß
Die letzte Wand
Dahinter
Leere Fülle
Und erkannt
Wie einst
Nur
Nebel
Tom (de) Toys, 21.6.1989
KONTAKT
zwischen zwei körnern
staub
schritte im meer
geatmet
und so
plötzlich erschien mir DAS GANZE UNIVERSUM in gestalt eines unendlichen gesichtes mit gigantischem mund, bewegte seine galaktischen strudel wie uralte lippen und sprach zu mir mit unsäglich langsamer, ruhig vibrierenden stimme: "ICH. BIN. NOAH."