Mein zweites Sonett (nach der Hommage an Bertolt Brecht von 1998) entstand im Frühling 2004 beim Aufwachen im rustikalen, verstaubten Gastzimmer des Soziokulturellen Zentrums St.Spiritus in Greifswald, wo ich anläßlich meiner beiden Lesungen (vormittags der Auftritt im Germanistik-Seminar am Institut für Deutsche Philologie sowie abends öffentlich im Falladahaus) dank der Vermittlung von Dr. Michael Gratz übernachtete:
Tom de Toys, 7.+29.+30.5.2004 & 8.4.2008
SONNE(tt)IST(ischer) ÜBER(Griff) ALL
aus sonne geboren trifft mich der morgenstrahl /
durch einen holzspalt dringt photonendruck /
den wachen augen bleibt da keine wahl /
das phänomen strömt über mir zum stuck /
( aus zimmerstaub wird zehn minuten lang /
ein glitzernder kanal wie laserlicht /
ganz fasziniert lieg ich im fremden bett /
und schwanke zwischen traum und klarer sicht / )
was sich mir offenbart ist nicht magie /
nur die natur als schauspiel der physik /
so märchenhaft sah ich die wahrheit nie /
der bloße staub dient als erkenntniskick /
und wirbelt durch den ganzen dunklen raum /
und glitzert nur wo ihn die sonne trifft /
mein hirn faßt dieses echte wunder kaum /
mein herz wünscht sich die zeit ständ still – /
ich liege wie besoffen und bekifft /
die erdbewegung nimmt sich was sie will //