Kunst & Literatur: "Plastische Poesie"

OBJEKTLYRIK & INSTALLYRIK (1998)

De Toys: "ZWISCHENMASCHI(E)NLICHKEIT" 4.5.-7.6.1998 (c) FLY (historisches Foto, Objekt wurde bei einem Umzug innerhalb Neuköllns aus Platzgründen "entsorgt") De Toys: "ZWISCHENMASCHI(E)NLICHKEIT" 4.5.-7.6.1998 (c) FLY (historisches Foto, Objekt wurde bei einem Umzug innerhalb Neuköllns aus Platzgründen "entsorgt")

Die Entwicklung der sogenannten "Objektlyrik" (Begriff von De Toys) resultierte aus dem Bedürfnis, durch räumlich inszenierte sowie objekthaft umgesetzte Poesie eine ästhetische Symbiose der beiden Disziplinen KUNST & LITERATUR zu ermöglichen.

An der vom G&GN-Institut im Mai 1998 kuratierten 1.objektlyrischen Gruppenausstellung "WER HAT ANGST VOR GROßEN BUCHSTABEN?!" im Kunsthaus Tacheles nahm neben Gert J. (gesprochen: "Jott Punkt") und Alex Nitsche auch RoN Schmidt teil, der bereits den Neologismus "Installyrik" erfunden hatte.

Schmidt & De Toys hatten schon seit 1995 im "ArToll" (Kunstverein in Bedburg-Hau) gemeinsame erste Experimente in diese Richtung unternommen, aber erst 1998 kam es zu einer intensiveren theoretischen Reflexion über die Bedeutung solcher Werke. Das dadurch entstandene Manifest von De Toys (unten) ist der ehemaligen Dokumentation auf den damaligen Tacheles-Unterseiten des G&GN-Institutes entnommen.

COLLAGE FÜR POEMIE "SONNTAG" (c) Copyright by Christina Campo Hübner, 1998 COLLAGE FÜR POEMIE "SONNTAG" (c) Copyright by Christina Campo Hübner, 1998

 

Tom de Toys, 21.2.1998
(anläßlich der 1.Gruppenausstellung im Tacheles)

INSTALLYRIK-MANIFEST-FRAGMENTE
(WER HAT ANGST VOR GROßEN BUCHSTABEN?)


OBJEKTLYRIK überwindet angebliche
Unterschiede zwischen Kunst & Literatur

OBJEKTLYRIK vergegenständlicht
das sogenannte "Geistige in der Dichtung"

OBJEKTLYRIK ist die objekthafte Umsetzung
unabhängig davon bereits existenter poetischer Schriftstücke

WIEVIELE OBJEKTHAFTE UMSETZUNGEN VERTRAGEN
DIE WÖRTER EINES GEDICHTES OHNE DESSEN GESAMTGEHALT
ZU BESCHRÄNKEN SONDERN ZU BESCHLEUNIGEN

OBJEKTLYRIK ist lautlos gesprochene Rede

OBJEKTLYRIK kombiniert
Empfindungen & Erinnerungen in der Echtzeit

OBJEKTLYRIK schafft keine sprachlichen Äußerungen
sondern veräußert die bereits zu sich selbst gekommene Sprache
des Gedichtes in einer mehrdimensionalen Installation
implizierter Assoziationslabyrinthe

OBJEKTLYRIK entfaltet das spirituelle Potential poetologischer Formen
durch textimmanente Interpretation ihrer minimal-visuellen Komplexität

OBJEKTLYRIK erlaubt einen direkten Zugang zur Kraft der Reflexion

OBJEKTLYRIK als holistisches Wahrnehmungstraining transzendiert
die klassische Reduktion des Bewußtseins auf fantasielose Prozesse
linearer Logik durch Einbeziehung der wortlosen Ebenen von Dichtung
in ihren skulpturalen Charakter als plastische Leerstellen zur Anregung
der kreativen (statt konsumistischen) Lust am ideologiefreien Denken

OBJEKTLYRIK öffnet das Bewußtsein
für paranormale Kommunikationsenergien

OBJEKTLYRIK vereinnahmt den sogenannten Geist dreifach:
den Weltgeist
(den es nach Auflösung metaphysischer Illusionen nicht mehr gibt),
den Hirngeist
(dessen neuronales System selbstreferentiell bleibt)
und den Sachgeist
(dessen subdialektische Substantialität keiner Projektion entrinnt,
weil er nur sich selbst bezweckt)

OBJEKTLYRIK schafft denkerische Tat-Sachen durch Darstellung des
 – zwischen den Zeilen schweigsamen – erfundenen sogenannten Unsichtbaren

OBJEKTLYRIK schafft keine primären lyrischen Botschaften
(wie die sogenannte "visuelle & konkrete" Poesie
durch symbiotische Verschmelzung von Form und Inhalt)
sondern dient als sinnliche Anwendung metapoetologischer
Prämissen innerhalb vorgegebener Buchstabenmuster


OBJEKTLYRIK fungiert sowohl als unmittelbare Sekundärliteratur
(mithilfe ästhetischer Mittel) wie auch als selbständiger Sprachraum
(mithilfe selbständiger Sprachstücke)

OBJEKTLYRIK ist greifbarer/ergreifender als jede flächige Schrift
und dadurch politischer als jedes Buch und plastischer
als jeder noch so verschachtelte virtuelle Sprachraum

OBJEKTLYRIK verleiht Gedichtwörtern ein räumliches Wirkungsfeld

OBJEKTLYRIK ermöglicht, sich gemeinsam in Gedichten aufzuhalten
und deren Botschaft gleichzeitig auszuhalten,
ohne den Klangraum eines vortragenden Dichters zu benötigen

OBJEKTLYRIK macht Rezitation überflüssig und so Textperformer arbeitslos

OBJEKTLYRIK überführt die arationale Autarkie des gewählten Gedichtes
in eine beispielhafte optische Repräsentanz

OBJEKTLYRIK verdeutlicht durch die skulpturale Erweiterung von
Zeilenumbrüchen, Zeichensetzung und orthographischen Eigenwilligkeiten
die bildnerische Komponente moderner Lyrik, die in der
beschriebenen Fläche nur graphisch komprimiert erscheint

OBJEKTLYRIK hilft dem Rezipienten sein eigenes Denken zu aktivieren,
indem sie sprachlich verdichtete Ereignisse sinnlich erlebbar macht

OBJEKTLYRIK schafft bildhafte Außenräume intellektueller Erlebnisse

OBJEKTLYRIK IST ALSO ZUGLEICH EINE LITERARISCHE, GRAPHISCHE,
BILDENDE, DARSTELLENDE, ABSTRAKTE UND ANGEWANDTE,

SINNLICHE UND GEISTIGE KUNST


OBJEKTLYRIK vergrößert keine Wörter aus Selbstzweck sondern
betont die bereits vorhandene mentale Größe inspirierter Zeichenstrukturen

OBJEKTLYRIK kann als sinnliche Erkenntnisstimulation oder verbale
Umweltverschmutzung (ähnlich der Produktwerbung) empfunden werden

Die Flucht vor großen Buchstaben findet mit dem realen Körper statt

 

De Toys: "PARA-DIES-UND-DAS", Objektlyrik-Mobile-Installyrik, Oktober 2003: Bunker-Ausstellung, Berlin-Alexanderplatz (c) FOTO: Britta Henrici De Toys: "PARA-DIES-UND-DAS", Objektlyrik-Mobile-Installyrik, Oktober 2003: Bunker-Ausstellung, Berlin-Alexanderplatz (c) FOTO: Britta Henrici
ParaDieS-Bahn mit grünen QUAntisilben (Berlin, Oktober 2003) ParaDieS-Bahn mit grünen QUAntisilben (Berlin, Oktober 2003)

Eigentlich sollten die beiden Waggons des weiß lackierten historischen Sonderzuges im Rahmen des Paradiesprojektes versteigert werden, doch es kam anders: der eine Waggon wurde VERSCHROTTET (welch ein unglaubliches Interesse der Sammler!) und der andere steht auf dem ABSTELLGLEIS des Bahnhofs in Zossen, wobei die eine Seite bereits mit Graffiti übermalt wurde (welch ein unglaublicher Respekt der Sprayer!). Dadurch hat nur 1 Viertel des poemischen Designs überlebt, was allerdings exakt dem quantenlyrischen Beitrag von Siegfried Sühd gerecht wird, denn die neongrünen QUAntisilben auf den Fensterscheiben stellen nicht etwa (gemäß der exakt berechneten ursprünglichen Datei) die ganze Poemie "PARADIES & RAD" dar (in blau angedeutet: die Anzahl der Fensterscheiben entsprach zufälligerweise genau der eigentlichen Menge an QUAntisilben) sondern lediglich 1 BELIEBIGES Viertel (in rot) incl. des Buchstabens "Ü" (der natürlich gar keine QUAntisilbe ist, aber SEHR SCHICK aussieht), das dann von der Druckerei auf die Schnelle ohne Rücksprache so oft wie nötig geklont wurde - man wunderte sich zwar (auch in der Pressestelle der S-Bahn), was der vermeintliche "Buchstabensalat" bedeuten solle, aber verzichtete aufgrund des Zeitdrucks auf die Möglichkeit einer wissenschaftlich korrekten Handhabung - die hübsche Optik genügte. Das Gute an dem Desaster: es inspirierte mich zu einer "didaktischen" Darstellung des Gedichtes auf Klebefolien, die unter die Fenster in sämtlichen Abteilen platziert wurden. Das Schöne daran: ich erlebte selber inkognito bei diversen Bahnfahrten (die Strecke von Bahnhof-Zoo bis Flughafen Schönefeld wurde über 1 Monat quantenlyrisch befahren!), wie neugierige Kinder einen riesen Spaß daran hatten, ihren Eltern den Text laut vorzulesen, die wiederum oft peinlich berührt waren und am liebsten "pfui, das tut man nicht" gesagt hätten...

Pages to the People

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Mein kommender Best-OFF-Lyrikband: "BODENLOS VERWURZELT WIE EIN STERN" mit 88 ausgewählten Gedichten aus 2 Jahrzehnten!

HOHLAPFEL (c) De Toys, 20.9.05 HOHLAPFEL (c) De Toys, 20.9.05

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CHRONIK DES LAUFENDEN WERKPROZESSES: LINKS ZU  73  TOPAKTUELLEN TITELN NEUER GEDICHTE

EVERGREEN: DIE NEUKÖLLNER STUNDE NULL (oder: die peinlichste Szene-Schote 2002: Was Sie schon immer mal über Ben Becker & Bertolt Brecht wissen wollten!)

Der wichtigste "schmal-lange" politische Text des Jahres 2011 als GASTBEITRAG hier: Clemens Schittko "Der nullte Kaddish" und das brandneu gastierende 2012er-Politpoem von Kai Pohl "Durchgeknallte Materie"

Mein allergrößter literarischer Mißerfolg (2003) auf nationaler Ebene: die überdadaistische Hommage an Hans Arp mit allen Hintergrunddetails!

Mein schönstes Erlebnis als Lyrik-Rezitator (2010) am 10. Weltpoesietag 21.März mit Gedichten von Hans Vogt: WORLD POETRY DAY

 

De Toys, 23.1.2009

OVERWOR(L)DED
(BE-ing NOWhere)
[12.PRAYER OF TRANSRELIGIOUS HOLeISM]

no sun no moon no galaxy
no thoughts of nothing and
no nothing no illusions and
no truth no question but
no need for answers
is the answer just
awake aware arrived
where this is
called the only THIS
AND THAT is sure
like nothing more than THIS
AND THAT turns mad
if you can't love it
like the laughter
of your lover
of your laughter
til the end of time
within this mOMent
that is touching
as you know it
now from inside
where the emptiness
turns outside
showing this is
no side never

 

De Toys, 17.1.1993

KINDHEIT

ich wachte auf
die sonne schien
und ich
fing wieder an
zu spielen

 

De Toys 1970 @ TomDeToys.de De Toys 1970 @ TomDeToys.de

 

"Auch heute noch blickt der Realist nur nach außen und ist sich nicht bewußt, ein Spiegel zu sein. Auch heute noch blickt der Idealist nur in den Spiegel und kehrt der realen Außenwelt den Rücken zu. Die Blickrichtung beider verhindert sie zu sehen, daß der Spiegel eine nicht spiegelnde Rückseite hat, eine Seite, die ihn in eine Reihe mit den realen Dingen stellt, die er spiegelt: Der physiologische Apparat, dessen Leistung im Erkennen der wirklichen Welt besteht, ist nicht weniger wirklich als sie."
Konrad Lorenz, in: DIE RÜCKSEITE DES SPIEGELS (1973)

ARATIONALER ASTRONAUT (c) De Toys, 21.1.2006 @ www.URENGEL.de ARATIONALER ASTRONAUT (c) De Toys, 21.1.2006 @ www.URENGEL.de

 

De Toys, 9.2.2005

KU(E)R-Zen!

jeden morgen
wach ich auf
und denke
es ist wirklich
ein geschenk
und wunder
noch zu leben
wieder da
zu sein
die welt
zu spüren ganz
egal in welchem
zustand
alle körper
alle kriege
sich befinden
denn der tod
kommt sowieso
viel früher und
viel schneller
als uns recht
ist jede
einzelne sekunde
lohnt sich
mit der inbrunst
ihrer kurzen
gegenwart
als ewigkeit
zu würdigen