DIRECT POETRY IN "FREE WORD JAM"

LIVE for beatslam, spiritslam & sexpoetry

De Toys 14.11.07: POP AM RHEIN (c) R.Ploenes (Studio 672, Köln) De Toys 14.11.07: POP AM RHEIN (c) R.Ploenes (Studio 672, Köln)

 

Tom de Toys, 8.7.2005

"Free Word Jam" als ARATIONALER AUTOMATISMUS
(Versuch einer Beschreibung eines paranormalen Sprechphänomens)


Von 2000 bis 2002 stand ich fast 2 Jahre lang konsequent jeden Monat bei POETRY SLAMS auf der Bühne, wie z.B. im Prater-Club "Bastard" (Veranstalter: Wolfgang Hogekamp), und konnte die gruselige Inflation des Slambegriffs hin zur unpolitischen Comedy mitverfolgen (inzwischen gibt es immerhin auch gesellschaftskritischen Slapstick & jungen engagierten Hiphop). Auch ich erntete den meisten Beifall mit eigentlich aus misanthropischem Zynismus geborenen (nach dem Motto "keine Perlen vor die Säue") spontanen freien Improvisationen, die das amüsierte Publikum als leichte literarische Häppchen zu Bier und Zigaretten und anderen Drogen konsumierte - "ernste Lyrik" war nicht gefragt, allerhöchstens manieristische Billigreime.

De Toys 23.8.08: VERSTÄRKER 21 (c) stArzAchA (O-Tannenbaum, Berlin) De Toys 23.8.08: VERSTÄRKER 21 (c) stArzAchA (O-Tannenbaum, Berlin)

Der "National Slam" in Hamburg 2001 (ich gehörte zum Berlin-Team) entpuppte sich hierbei für mich als Sahnehäubchen auf diese perverse Entwicklung, zumal dort spätpubertäre COMEDY-LITERATUR als vermeintliche "Clubliteratur" präsentiert wurde. Der Gewinner war dann noch dazu ein professioneller Kabarettist (und als solcher wirklich gut): Sebastian Krämer, der später Xochils Südslam in der Scheinbar übernahm! Ich entschied mich ein wenig irritiert und frustriert, die Slambühnen fortan zu meiden und stattdessen meine abendfüllenden POEMiE-Shows (mit Musik & Videobühnenbild) auszuarbeiten. Als offiziell letzten Slamauftritt nutzte ich die Einladung zur Teilnahme beim SWR-Sommerfest in Karlsruhe (im ZKM-Foyer) im Sommer 2002, wo ich zu meinen abschließenden Worten "Der Slam ist tot, der Kasperle lebt wieder!" (in Anlehnung an das berühmte Dada-Bonmot von Hans Arp: "Der Kaspar ist tot") von der Bühne gebuht wurde... Unerwarteterweise entdeckte ich allerdings durch diese Ablehnung von kritischen Texten und meine dadurch initiierte Slam-Aversion mein Talent zur telepathischen Textimprovisation (anfangs glaubte mir keiner, daß es sich NICHT um fertig vorbereitete Texte handelte, was mir fast peinlich war) und betreibe DAS seitdem mit gleichgroßer Freude wie das Vorlesen von echten Gedichten.

De Toys 9.5.2005: Scheinbar (c) R.Ploenes (Berlin) De Toys 9.5.2005: Scheinbar (c) R.Ploenes (Berlin)

Und die seltsame Ironie des Schicksals ist nun, daß ich schließlich im Mai 2005 ausgerechnet unter der Moderation von Sebastian Krämer (der ja für mich quasi zum Symbol der Slamsatire wurde) doch wieder an einem Slam teilnahm, weil die österreichischen Kollegen melamar & Christian Schreibmüller zu Besuch waren und ich einfach nur Lust hatte, einen netten Abend mit ihnen zu verbringen.

De Toys 9.5.2005: Scheinbar (c) R.Ploenes (Berlin) De Toys 9.5.2005: Scheinbar (c) R.Ploenes (Berlin)

So landeten wir in der Scheinbar und ich erzählte dem Publikum nach einigen zähen Sekunden (in denen ich nach Worten IN DER LUFT suchte, was man wohl witzig fand, obwohl es sich um eine NOTWENDIGE "schamanistische" Technik handelte) nichts anderes als das, was ich in exakt dem Moment direkt empfand, nämlich wie es sich anfühlt, wenn zwischen den einzelnen BUCHSTABEN große Lücken im Bewußtsein entstehen - Warteschleifen auf der Zunge, die jeden nach und nach eintreffenden Buchstaben zu einem geschmacklichen Großereignis machen. DAS fand das Publikum wirklich amüsant, ja gradezu komisch, zumal ich mal wieder UNABSICHTLICH Grimassen zog (eine absolut natürliche Folgeerscheinung der Kon-ZEN-tration auf den telepathischen Textfluß!!!) und mich dadurch ungewollt zum Komiker degradierte - obwohl es sich hier in Wirklichkeit um eine absolut authentische synästhetische neurolinguistische Selbsterfahrung handelte, also um einen eigentlich ziemlich intimen TRANSPERSONALEN Prozess, an dem ich das scheinbar naive literarische Volk beiwohnen ließ.

De Toys 9.5.2005: Scheinbar (c) R.Ploenes (Berlin) De Toys 9.5.2005: Scheinbar (c) R.Ploenes (Berlin)

Und wie zumeist gibt es auch hiervon keinen Mitschnitt und schon beim Abgang von der Bühne vergaß ich bereits wieder die taufrische "semispirituelle situationistische Semantik", die paranormale Magie des Momentes war vorbei, ich kehrte zurück in das normale linear-logische Denken und hätte mich am liebsten während des Applauses auf dem Klo versteckt, weil ich mich gar nicht mit dem Blödsinn identifizierte, den ich dargeboten hatte.

De Toys Juni 1993: JeDaZeitBereit (c) R.Ploenes ( Café Cottas, Köln) De Toys Juni 1993: JeDaZeitBereit (c) R.Ploenes ( Café Cottas, Köln)

Immerhin gibt es nun dank Roman Ploenes (der schon 1993 meine recht normale Lesung des "Ute Uferlos"-Zyklus` in Köln dokumentiert hatte) eine kleine Fotostrecke, die vielleicht ahnen läßt, unter welchem Risiko solche Auftritte stattfinden, nämlich daß einem womöglich NICHTS einfällt (bzw. "zufällt") und man die Bühne wie ein Narr wieder verlassen muß, ohne einen einzigen Buchstaben geschweige denn eine Botschaft ausgesprochen zu haben! In gewisser Weise habe ich mir damit einen Schadensersatz für das fehlende Lampenfieber erfunden, denn beim Ergreifen des Mikrofons bin ich bestenfalls SO LEER IM KOPF, daß ich selber überrascht bin, was genau oder ob überhaupt irgendwas anfangen wird, "durch mich hindurch" zu sprechen. Bisher hat diese Methode glücklicherweise immer mehr oder weniger gut funktioniert (auch im Sinne von "originell"), aber ich fürchte den Tag, an dem es mir wie dem Tänzer in Kleists Marionettentheater ergehen könnte: daß sich mein Ich plötzlich während dieses "paradiesischen" Automatismus` zu früh wieder als Kontrollinstanz einschaltet und den trance-ähnlichen Textfluß willentlich beeinflussen möchte. Das erscheint mir als wirklicher Schwierigkeitsgrad solcher "öffentlichen Übungen": daß man es schafft, total locker zu bleiben, bis sich der Text VON ALLEINE zu einem sinnvollen Ende bringt; denn das ist das wirklich Besondere: es tritt tatsächlich immer wie von Geistermund geführt ein dramaturgisch perfektes Ende ein!

De Toys 10.10.1993: UTE UFERLOS (c) R.Ploenes (Café Fleur, Köln) De Toys 10.10.1993: UTE UFERLOS (c) R.Ploenes (Café Fleur, Köln)

Ein Ende, das sich ganz unabsehbar erst in der Sekunde des Aussprechens als solches offenbart - und einen aufweckt, ja rausreißt aus dieser "Gnade" und wieder auf die normale irdische Ebene der niederen Bewußtseins-Schaltkreise zurückholt. Das klingt verrückt, ja ich weiß. Möge man mir verzeihen, daß ich nur derlei esoterisch-pathetische Formulierungen dafür finde. Ich bin ja kein Psychologe, ich bin nur ein Dichter und autodidaktischer Selbstläufer...

De Toys 14.2.2008: EROTISCHES DUELL (art & champagne, Berlin-Kuhdamm) De Toys 14.2.2008: EROTISCHES DUELL (art & champagne, Berlin-Kuhdamm)
De Toys, live 14.8.2005 @ KÖLNER SPRECHSTEIN (c) R.Ploenes (Stadtgarten-Park) De Toys, live 14.8.2005 @ KÖLNER SPRECHSTEIN (c) R.Ploenes (Stadtgarten-Park)
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HOHLAPFEL (c) De Toys, 20.9.05 HOHLAPFEL (c) De Toys, 20.9.05

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Mein allergrößter literarischer Mißerfolg (2003) auf nationaler Ebene: die überdadaistische Hommage an Hans Arp mit allen Hintergrunddetails!

Mein schönstes Erlebnis als Lyrik-Rezitator (2010) am 10. Weltpoesietag 21.März mit Gedichten von Hans Vogt: WORLD POETRY DAY

 

De Toys, 23.1.2009

OVERWOR(L)DED
(BE-ing NOWhere)
[12.PRAYER OF TRANSRELIGIOUS HOLeISM]

no sun no moon no galaxy
no thoughts of nothing and
no nothing no illusions and
no truth no question but
no need for answers
is the answer just
awake aware arrived
where this is
called the only THIS
AND THAT is sure
like nothing more than THIS
AND THAT turns mad
if you can't love it
like the laughter
of your lover
of your laughter
til the end of time
within this mOMent
that is touching
as you know it
now from inside
where the emptiness
turns outside
showing this is
no side never

 

De Toys, 17.1.1993

KINDHEIT

ich wachte auf
die sonne schien
und ich
fing wieder an
zu spielen

 

De Toys 1970 @ TomDeToys.de De Toys 1970 @ TomDeToys.de

 

"Auch heute noch blickt der Realist nur nach außen und ist sich nicht bewußt, ein Spiegel zu sein. Auch heute noch blickt der Idealist nur in den Spiegel und kehrt der realen Außenwelt den Rücken zu. Die Blickrichtung beider verhindert sie zu sehen, daß der Spiegel eine nicht spiegelnde Rückseite hat, eine Seite, die ihn in eine Reihe mit den realen Dingen stellt, die er spiegelt: Der physiologische Apparat, dessen Leistung im Erkennen der wirklichen Welt besteht, ist nicht weniger wirklich als sie."
Konrad Lorenz, in: DIE RÜCKSEITE DES SPIEGELS (1973)

ARATIONALER ASTRONAUT (c) De Toys, 21.1.2006 @ www.URENGEL.de ARATIONALER ASTRONAUT (c) De Toys, 21.1.2006 @ www.URENGEL.de

 

De Toys, 9.2.2005

KU(E)R-Zen!

jeden morgen
wach ich auf
und denke
es ist wirklich
ein geschenk
und wunder
noch zu leben
wieder da
zu sein
die welt
zu spüren ganz
egal in welchem
zustand
alle körper
alle kriege
sich befinden
denn der tod
kommt sowieso
viel früher und
viel schneller
als uns recht
ist jede
einzelne sekunde
lohnt sich
mit der inbrunst
ihrer kurzen
gegenwart
als ewigkeit
zu würdigen