~~~~~~~~~ Weltpoesie ~~~~~~~~~

Tom de Toys ALIAS Herold Himmelfahrt

3 Gedichte aus: "HaU SaUF GaBEN"

 

"Man darf die Mehrheit nicht mit der Wahrheit verwechseln."
Jean Cocteau (1889-1963)

GOLDWATER (c) De Toys, 3.11.2003 (NZ) GOLDWATER (c) De Toys, 3.11.2003 (NZ)

 

HAG–ZYKLUS 2003

1: MASSE (22.12.)
2: MUSE (23.12.)
3: MONSTER (23.12.)
4: MESSUNG (23.12.)
5: MAINSTREAM (23.12.)
6: MINDESTLOHN (24.12.)
7: MuTPRoBe (ORGAN!SCHES SCHLUßLiCHT) (27.12.)

"ich sehe dein gesicht im pumpen meines gläsernen herzens und spüre: alles ist ganz anders. wir sit-Zen im offenen kreis und reden mit dem großen dunklen quantenmonster, das die welt durchdringt. wir spüren die dunkle tiefe schwingung seiner paranormalen bewußtheit und wissen: diese welt ist nur unendlich, weil der schwere atem des monsters durch sie hindurchraunt wie ein weitverzweigtes rinnsal mit überschall. die außerirdischen sind nie gelandet, denn sie wohnen parallel zu uns in der zweiten keller-etage DURCH UNS HINDURCH. es gibt keine treppe in den keller, die treppe sind wir. und dann lernen sie sprechen - mit haut und haar..."
H.H. (3.1.2004)

 

Herold Himmelfahrt, 23.12.2003

MAINSTREAM

oder all die großen preise
die nur an ganz große dichter
ausgeschüttet werden
eine tradition
der gegenseitigen absegnung
selbstbeweihräucherung
vetternwirtschaft
fiese schmücken sich mit fürsten
großverlage fördern alibis
berühmte werden noch berühmter
reiche baden in der wassernot
von unbestechlichen
bis denen ruhm und ehre
posthum so verliehen wird
daß neue preise ausgerufen werden
neue wettbewerbe ausgelobt
und die verlierer ausgebuht am tage
der beerdigung wenn redakteure
mit pro anschlag gut bezahlten nachrufen
die eigene scheintote heimat füttern

 

 

Herold Himmelfahrt, 24.12.2003

MINDESTLOHN

welch ein titel da
staunt selbst der progressivste germanist beim auspacken
des schick getarnten buchgeschenkgutscheins
zu weihnachten ach weihnachten jaja das wörtchen
gibts noch immer ebenso wie gott und geld
das lexikon ist pickepacke voll randvoll mit solchen ungereimtheiten
ich sag dir was das ist hier kein politgedicht
denn politik ist kein gedicht kapiert
ich sitz am rechner denke nach fühl in mich rein und
lasse alle wörter einfach fließen höre wie die zeit verrinnt
wie der moment sich ausdehnt wie das blut
durch den gehörgang tropft im takt im takt sekundentakt
ich glaube meine herzmaschine hat ne störung
ach das geht vorbei is nich so schlimm
kann mal passieren wird bald besser
neee au backe is ne riesenkacke hört nich auf
tropft immer weiter scheiße mir wird eisig kalt
ich packs nich lauf lauf du lauf weiter
nimm den stift aus meiner tasche und papier
und zündhölzer falls sie dir wieder an den kragen wollen

 

 

Herold Himmelfahrt, 27.12.2003, 12-18 h
(in Köln c/o Café Storch & Ludwig Museum)

MuTPRoBe
(ORGAN!SCHES SCHLUßLiCHT)

warum nicht ganz am ende
die geschichte ganz von vorne
neu aufrollen ja natürlich
es ist sowieso schon alles restlos
alles viel zu ausführlich gesagt
getan und aufgeschrieben ohne daß
jemand notiz nahm von der notwendigkeit
möglichst wenig mitzuspielen im getriebe
der familie der berufe und der allgemeinen
unterhaltungsindustrie mit ihren
biografischen beschäftigungstherapipien
wenn die zukunft den zeitlosen hirnraum
zur besinnung ruft ein un(ÜBER)hörbares rauschen
durch den leeren tempel fegt und alle
sprache schluckt und nochmal schluckt
und von der einen seite der unendlichkeit
zur andren seite der unendlichkeit
hinüberschallt sich selbst ganz nebenbei
nach einer klitzekleinen ewigkeit verschluckt
und mit der umgestülpten haut des universums
aus der inneren fatamorgana spricht
als wäre nichts passiert
die heimat bleibt ein hohles kissen
für verliebte ausgeschüttelt und geglättet
frisches bettzeug drüber
pünktlich ausgecheckt
der weltlauf läuft noch immer
nur nach plan
ich widersetze mich dem
seelenfressenden kal
-ende-
RW
-ahn

 

PLEASE KEEP CLEAR (c) De Toys, 8.11.2003 (NZ) PLEASE KEEP CLEAR (c) De Toys, 8.11.2003 (NZ)
DIE GLÄSERNEN ELEMENTE DER STADT (2.Version: Adern & Automaten) (c) De Toys, 16.6.2011 @ Ubahnstation Görlitzer Bahnhof (Berlin) DIE GLÄSERNEN ELEMENTE DER STADT (2.Version: Adern & Automaten) (c) De Toys, 16.6.2011 @ Ubahnstation Görlitzer Bahnhof (Berlin)
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CHRONIK DES LAUFENDEN WERKPROZESSES: LINKS ZU  73  TOPAKTUELLEN TITELN NEUER GEDICHTE

EVERGREEN: DIE NEUKÖLLNER STUNDE NULL (oder: die peinlichste Szene-Schote 2002: Was Sie schon immer mal über Ben Becker & Bertolt Brecht wissen wollten!)

Der wichtigste "schmal-lange" politische Text des Jahres 2011 als GASTBEITRAG hier: Clemens Schittko "Der nullte Kaddish" und das brandneu gastierende 2012er-Politpoem von Kai Pohl "Durchgeknallte Materie"

Mein allergrößter literarischer Mißerfolg (2003) auf nationaler Ebene: die überdadaistische Hommage an Hans Arp mit allen Hintergrunddetails!

Mein schönstes Erlebnis als Lyrik-Rezitator (2010) am 10. Weltpoesietag 21.März mit Gedichten von Hans Vogt: WORLD POETRY DAY

 

De Toys, 23.1.2009

OVERWOR(L)DED
(BE-ing NOWhere)
[12.PRAYER OF TRANSRELIGIOUS HOLeISM]

no sun no moon no galaxy
no thoughts of nothing and
no nothing no illusions and
no truth no question but
no need for answers
is the answer just
awake aware arrived
where this is
called the only THIS
AND THAT is sure
like nothing more than THIS
AND THAT turns mad
if you can't love it
like the laughter
of your lover
of your laughter
til the end of time
within this mOMent
that is touching
as you know it
now from inside
where the emptiness
turns outside
showing this is
no side never

 

De Toys, 17.1.1993

KINDHEIT

ich wachte auf
die sonne schien
und ich
fing wieder an
zu spielen

 

De Toys 1970 @ TomDeToys.de De Toys 1970 @ TomDeToys.de

 

"Auch heute noch blickt der Realist nur nach außen und ist sich nicht bewußt, ein Spiegel zu sein. Auch heute noch blickt der Idealist nur in den Spiegel und kehrt der realen Außenwelt den Rücken zu. Die Blickrichtung beider verhindert sie zu sehen, daß der Spiegel eine nicht spiegelnde Rückseite hat, eine Seite, die ihn in eine Reihe mit den realen Dingen stellt, die er spiegelt: Der physiologische Apparat, dessen Leistung im Erkennen der wirklichen Welt besteht, ist nicht weniger wirklich als sie."
Konrad Lorenz, in: DIE RÜCKSEITE DES SPIEGELS (1973)

ARATIONALER ASTRONAUT (c) De Toys, 21.1.2006 @ www.URENGEL.de ARATIONALER ASTRONAUT (c) De Toys, 21.1.2006 @ www.URENGEL.de

 

De Toys, 9.2.2005

KU(E)R-Zen!

jeden morgen
wach ich auf
und denke
es ist wirklich
ein geschenk
und wunder
noch zu leben
wieder da
zu sein
die welt
zu spüren ganz
egal in welchem
zustand
alle körper
alle kriege
sich befinden
denn der tod
kommt sowieso
viel früher und
viel schneller
als uns recht
ist jede
einzelne sekunde
lohnt sich
mit der inbrunst
ihrer kurzen
gegenwart
als ewigkeit
zu würdigen