"Man darf die Mehrheit nicht mit der Wahrheit verwechseln."
Jean Cocteau (1889-1963)
"ich sehe dein gesicht im pumpen meines gläsernen herzens und spüre: alles ist ganz anders. wir sit-Zen im offenen kreis und reden mit dem großen dunklen
quantenmonster, das die welt durchdringt. wir spüren die dunkle tiefe schwingung seiner paranormalen bewußtheit und wissen: diese welt ist nur unendlich, weil der schwere atem des monsters durch
sie hindurchraunt wie ein weitverzweigtes rinnsal mit überschall. die außerirdischen sind nie gelandet, denn sie wohnen parallel zu uns in der zweiten keller-etage DURCH UNS HINDURCH. es gibt
keine treppe in den keller, die treppe sind wir. und dann lernen sie sprechen - mit haut und haar..."
H.H. (3.1.2004)
Herold Himmelfahrt, 23.12.2003
MAINSTREAM
oder all die großen preise
die nur an ganz große dichter
ausgeschüttet werden
eine tradition
der gegenseitigen absegnung
selbstbeweihräucherung
vetternwirtschaft
fiese schmücken sich mit fürsten
großverlage fördern alibis
berühmte werden noch berühmter
reiche baden in der wassernot
von unbestechlichen
bis denen ruhm und ehre
posthum so verliehen wird
daß neue preise ausgerufen werden
neue wettbewerbe ausgelobt
und die verlierer ausgebuht am tage
der beerdigung wenn redakteure
mit pro anschlag gut bezahlten nachrufen
die eigene scheintote heimat füttern
Herold Himmelfahrt, 24.12.2003
MINDESTLOHN
welch ein titel da
staunt selbst der progressivste germanist beim auspacken
des schick getarnten buchgeschenkgutscheins
zu weihnachten ach weihnachten jaja das wörtchen
gibts noch immer ebenso wie gott und geld
das lexikon ist pickepacke voll randvoll mit solchen ungereimtheiten
ich sag dir was das ist hier kein politgedicht
denn politik ist kein gedicht kapiert
ich sitz am rechner denke nach fühl in mich rein und
lasse alle wörter einfach fließen höre wie die zeit verrinnt
wie der moment sich ausdehnt wie das blut
durch den gehörgang tropft im takt im takt sekundentakt
ich glaube meine herzmaschine hat ne störung
ach das geht vorbei is nich so schlimm
kann mal passieren wird bald besser
neee au backe is ne riesenkacke hört nich auf
tropft immer weiter scheiße mir wird eisig kalt
ich packs nich lauf lauf du lauf weiter
nimm den stift aus meiner tasche und papier
und zündhölzer falls sie dir wieder an den kragen wollen
Herold Himmelfahrt, 27.12.2003, 12-18 h
(in Köln c/o Café Storch & Ludwig Museum)
MuTPRoBe
(ORGAN!SCHES SCHLUßLiCHT)
warum nicht ganz am ende
die geschichte ganz von vorne
neu aufrollen ja natürlich
es ist sowieso schon alles restlos
alles viel zu ausführlich gesagt
getan und aufgeschrieben ohne daß
jemand notiz nahm von der notwendigkeit
möglichst wenig mitzuspielen im getriebe
der familie der berufe und der allgemeinen
unterhaltungsindustrie mit ihren
biografischen beschäftigungstherapipien
wenn die zukunft den zeitlosen hirnraum
zur besinnung ruft ein un(ÜBER)hörbares rauschen
durch den leeren tempel fegt und alle
sprache schluckt und nochmal schluckt
und von der einen seite der unendlichkeit
zur andren seite der unendlichkeit
hinüberschallt sich selbst ganz nebenbei
nach einer klitzekleinen ewigkeit verschluckt
und mit der umgestülpten haut des universums
aus der inneren fatamorgana spricht
als wäre nichts passiert
die heimat bleibt ein hohles kissen
für verliebte ausgeschüttelt und geglättet
frisches bettzeug drüber
pünktlich ausgecheckt
der weltlauf läuft noch immer
nur nach plan
ich widersetze mich dem
seelenfressenden kal
-ende-
RW
-ahn