Interview-Auszug von 2002 mit G&GN-Pressesprecher Samuel Lépo
S.L.:
Herr De Toys, seitdem Johannes Ullmaier Sie in seinem antigermanistischen Standardwerk "Von Acid nach Adlon und zurück" im Kapitel über die SocialBeat-Bewegung & die neue SlamPoetry indirekt quasi als kritischen Poplyriker darstellt (in Kontrast zu den als affirmative Popperliteraten bezeichneten Autoren des Neuen Mainstream wie z.B. Stuckrad-Barre), fragen wir uns, was Sie eigentlich unter "direkt" verstehen, wenn gerade NICHT der legendäre Brinkmannsche Reflex gemeint sein soll - warum nennen Sie Ihren postpoetologischen Ansatz ausgerechnet Direkte Dichtung?
T.de.T.:
Dazu muß ich etwas ausholen: Während die Moderne für diverse Varianten eines SINNLICHEN SUBJEKTIVISMUS steht, spiele ich mit der Vision eines sogenannten MYSTISCHEN MATERIALISMUS, der genau andersrum funktioniert als die vermeintlich "Existenzielle Entfremdung" (das große Negativ-E-Quadrat) des damals angeblich ach so Neuen Realismus: Als Inspirationsquelle für meine radikal-posiTIEFen Gedichte gelten mir nur noch "Extatische Ereignisse", in denen also der direkte Kontakt zwischen meinem neuronalen System und den natürlichen Sachen das Thema der Texte bestimmt. Das sind die berühmten 5 Minuten (deren reale Dauer zwischen Sekundenbruchteilen und mehreren Stunden schwankt!), in denen das lyrische Ich in den transtherapeutisch-ganzheitlichen Geist der Gegenwart eintaucht und keine METAPHORISCHEN Selbstprojektionen mehr behandelt (die leider tradionell als Kriterium für gute Gedichte gelten, von Rilke über Celan bis zu den Dumontschen "Jungautoren") sondern vorhandene Saynspositionen visionär auslotet, wodurch automatisch ein integraler Impuls in die natürliche Sprache einfließt und ihre absolut IMMANENTE INTENSITÄT dadurch aktiviert: Wörter, die im umgangssprachlichen Gebrauch eben noch grau und "normal" erschienen, wirken nun auf einmal "erhaben", weil da etwas durch sie hindurchleuchtet, was eben mehr ist, weiter ist als die an sich bekannte Syntax, nämlich die totale Präsenz des Menschen in jeder einzelnen Silbe bzw. erstrecht in den Quantisilben! Transdualistisch ausgedrückt, nenne ich dieses Moment "perinzendental", da es die schizophrene Abspaltung des Göttlichen (als transzendente Fiktion) überwindet und MITTEN IM ECHTEN LEBEN DIE "MITTE" DES GANZEN ERSPÜRT: DAS SEIN "IN SICH" STATT "AN SICH". Die Technik könnte man dementsprechend als "präsentomatisch" bezeichnen, da sich solche Gedichte erst in einem erweiterten Bewußtseinszustand "wie von selbst" aus der Grundlosen Inwesenheit niederschreiben - auf der psychischen Ebene entsteht dabei leicht der Eindruck, als ob Stimmen zu einem sprächen... Engel oder Außerirdische, oder meditierende Meister mir ihre Botschaften telepathisch einflößten. Aber das sei nur am Rande erwähnt (so mancher Kollege traut sich garnicht, diese internen Betriebsgeheimnisse zu verraten, aus Angst, für verrückt gehalten zu werden - dabei ist das eine wirklich spannende Selbsterfahrung!!!), denn vermutlich ist es von der Sozialisation des jeweiligen Dichters abhängig, wie seine niederen Schaltkreise derartige neurolinguistische Wahrnehmungsphänomene interpretieren. Auf jeden Fall gipfelt dieser antiplatonische Ansatz bei mir inhaltlich in der Erweiterten Sachlichkeit von echten (erfüllten!) Liebesgedichten und sprachlich in der experimentellen Geste von Quantenlyrik. Beide Spielarten dienen dem Versuch, unsere bildüberströmte Mediengesellschaft nicht weiter mit oberflächlichen Bildern zu verseuchen sondern ontische Bedürfnisse zu wecken, die den übermenschlichen (transpersonalen) Kern des Individuums betreffen.