Am Anfang sollte natürlich der beste Satz stehen, zu dem ich überhaupt fähig bin, aber in meinem derzeitigen
Zustand fühlt sich fast jeder Satz austauschbar und beliebig an und ich wünsche mir bereits heute nichts sehnlicher als den letzten, den allerletzten Satz herbei, der den geduldigen Leser dafür
entschädigt, eine womöglich sehr lange Durststrecke zu bewältigen, die ich ihm zumuten muß, um die Wahrheit herauszufinden. Und sogar diese Hoffnung auf
Wahrheit könnte sich im Verlaufe der Geschichte als absurde Selbstlüge erweisen, so daß sich der ganze literarische Entwurf einmal mehr als idiotischer Köder in einem leeren See verrät und mich,
den vermeintlichen "Autor", als Scharlatan bloßstellt. Ich will niemanden vörsätzlich belügen oder in menschliche Abgünde einweihen, die sich am Ende wie ein erbärmliches Kartenhaus in
verbrauchte Luft auflösen, aber ich bin momentan nicht in der Lage, im Vorfeld darüber zu urteilen, welche Fragen geschweige denn welche
Erkenntnisse wirklich hilfreich genug sind, um das entstehende Buch zu rechtfertigen. Mir bleibt nur das geringste Mindestmaß an
Urvertrauen in diesen Schreibimpuls übrig, der direkt nach diesen einleitenden Worten wieder versiegen könnte, wie es schon früher mehrmals geschah. Denn das hier ist keineswegs mein "Debut", was
die Prosa betrifft, auch wenn mich die meisten bis jetzt eher als Lyriker, oder noch nicht einmal das, sondern nur als herumnörgelnden Mystiker kannten. Aber es gibt einen gravierenden
Unterschied zu allen bisherigen Ansätzen, den ich vorausschicken möchte, um zu erklären, was mich persönlich daran reizt, das Projekt trotz aller Skepsis in Angriff zu nehmen: Ich befinde
mich offensichtlich an einem seelischen Wendepunkt meines Lebens, der sich genauso einschneidend anfühlt wie die unerwartete Verwandlung vor zwanzig Jahren, als sich dank der spontanen
Loch-Erfahrung sämtliche religiösen Zweifel in schockierendes Wohlgefallen auflösten und mich zwangen, ein umfassendes, grenzenloses Ja zum Leben auszusprechen. Was damals eine Art "Rückkehr in
die erleuchtete Materie" erlaubte, könnte diesmal vielleicht eine Heimkehr in den durchleuchteten Körper darstellen, denn das akute Problem lautet nicht mehr, ob es ein Ich, Gott und den
Sinn des Lebens gibt, was mich damals so qualvoll der Leichtigkeit der Jugend beraubte, die sich zunächst als erotische Krönung der kindlichen Verspieltheit angekündigt hatte - sondern: warum
dieses organische Raumschiff, in dem sich mein Geist durch das irdische Dasein manövriert, immer unkontrollierbarer dahin schlingert und sich wesentlich früher als angestrebt wie ein
Schrotthaufen anfühlt, der zwar durch gewisse schamanische Routinetricks auf Lichtgeschwindigkeit gebracht werden kann, dessen Kapitän aber kein Ziel mehr vor Augen hat und der Steuermann
dementsprechend nervös, unkonzentriert und schwindlig von der Orientierungslosigkeit auf einen eindeutigen Fahrtbefehl wartet, der seinen Posten mit Freude statt Kettensätzen erfüllt.
Wahrscheinlich werde ich nach der Verwandlung nie wieder in dieser Form denken geschweige denn schreiben können und mich sogar wundern, daß es mir
überhaupt möglich war. Auch darin liegt ein fast nekrophiler Anreiz zum historischen Dokumentieren des bevorstehenden Kostümwechsels. Ich weiß einfach nicht, inwiefern ich als geflügelter
Gewinner oder mehrfache Mogelpackung aus diesem Melodrama emporsteige, ob es sich zu einem postmodernen Heldenepos ausweitet oder mein neuer Doppelgänger aus einem Paralleluniversum auf der Bühne
erscheint und mich überflüssig macht wie eine alte Schlangenhaut, die man in die Vitrine legt und bestaunt, aber froh ist, eben nicht in dieser Haut zu stecken. Helden, Gewinner, Doppelgänger, Gott, das Ich und der Sinn des Lebens, all das sind pathetische Attribute der Schriftstellerei, die das imaginäre Selbst umkreisen,
bevor es implodiert. Was sich jenseits der Literatur auf der anderen Seite des implodierten Dichters befindet, gilt es für mich jetzt zu erkunden. Mein ganz persönlicher Marsch durch die
KONKRETE Seele hat begonnen, weil ich die Tränen nicht mehr unterdrücken kann. Ich leide an mir selbst trotz aller mystischen Erkenntnisse. Mit etwas Geduld und Glück kann ich eventuell
einen echten Menschen dahinter entdecken und mich von den Schmerzen befreien, um irgendwann wieder arbeitsfähig zu sein und das Leben in seinem ganzen Ausmaß zu genießen. Mir steht
definitiv kein netter Kuraufenthalt bevor, als würde ich mit einem Lastminute-Angebot auf die langersehnte Insel unter Palmen fliegen. Aber trotzdem wirkt es wie ein Lottogewinn in letzter
Minute, denn zum ersten Mal nach dieser langjährigen Odyssee macht sich ein Gefühl des Ankommens in mir breit, das auf die Tränendrüse drückt. Wer so viele Orthopäden, Internisten und
Physiotherapeuten verschlissen hat, wartet verzweifelt auf diesen erlösenden Augenblick, von einem Arzt endlich ganzheitlich gesehen statt ausgelacht zu werden, wenn man nackt vor ihnen steht und
Sprüche ertragen muß wie zum Beispiel: "Aber Sie sind doch sportlich gebaut und sehen klasse aus. Was wollen Sie denn?", oder sogar: "Warum denn gleich zum Schmerztherapeut? So
schlimm wirds ja wohl nicht sein!" Und nachdem alle Untersuchungen ergeben, daß man rein organisch "absolut gesund" ist, bleibt ein großes Fragezeichen im Kopf zurück und die
doppelte Angst, nicht nur lebenslänglich von Symptomen geplagt zu werden, sondern sich sämtliche Schmerzen darüber hinaus nur einzubilden. Wenn dann endlich ein Arzt das Sprechzimmer
nicht schon nach fünf Minuten mit breit grinsendem Händeschütteln unter vorgetäuschter Zeitnot verläßt, sondern einem eine geschlagene Stunde lang zuhört und einem glaubt, daß man leidet und
tatsächlich Hilfe sucht (warum ginge man sonst bitte zum Arzt?), dann gleicht es einer waschechten Offenbarung zu erfahren, daß sich solche
"somatoformen" Schmerzen sogar als Gehirnströme messen lassen und die abenteuerliche Aufgabe erfüllen, sich wie ein kratzender Zaubermantel schützend um einen viel größeren Schmerz zu
legen, der sich als geheimer Schatten auf einem blinden Fleck der Seele eingenistet hat. Diesen Zoo aus verborgenen Vogelnestern detektivisch aufzuspüren und den ganzen Schwarm aus
Fledermäusen, Papageien, Kolibris und Adlern wortwörtlich auffliegen zu lassen, könnte ein vorläufiges Ziel der Therapie sein oder zumindest die erste Etappe, denn wünschenswert wäre auch das
Erlernen der Vogelsprachen, um Herkunft und Flugrichtung der Vögel nachzuvollziehen sowie zu verstehen, wovon sie sich ernähren. Mein gruseliger Verdacht dabei ist, daß es sich um
Aasgeier handelt, welche die toten Anteile der infizierten Psyche nach und nach vertilgen, bis das Absterben meiner Seele ein Ende hat. So lange gewährleisten sie den Kreislauf der Reinigung,
damit die Leuchtkraft der Seele nicht gänzlich verloren geht. Insofern freue ich mich, den unsichtbaren Schatten begegnen zu dürfen, falls meine Vermutung stimmt. Mögen mir die Geister
gnädig sein und die Schmerzen vertreiben.
richtigrum muß es wohl lauten: "Mögen mir die Schmerzen gnädig sein und die Geister vertreiben", um aus dem symbolischen versteckspiel ins konkrete
analysieren zu kommen! ist das etwa eine erkenntnis? vielleicht... wurde mal wieder vom tinnitus viel zu früh aufgeweckt, aus dem üblichen traum, wo ich plötzlich auf der wummernden tanzfläche
einer technodisco stehe und die ohrenstöpsel vergaß. der schädel platzt fast. es dröhnt, als ob das universum asthmatisch röchelt und alle galaxien vom knatternden ein und aus atmen erzittern und
aus ihren bahnen geworfen werden. sterne purzeln durcheinander, ändern ihr richtung und geschwindigkeit, und der urknall läßßt sich nie mehr beweisen. jetzt drifte ich wieder ins fantastische ab,
das bringt nix. aber um ehrlich zu sein, war dieser klägliche beginn des tagebucheintrages nur ein hilfloser versuch, etwas zu schreiben, was zum
messerscharfen konzept paßßt, obwohl ich grad eigentlich (wie erwartet!!!) in diese verdammte schreibblockade reinrutsche, die mich jedesmal einholt, sobald ich einen gelungenen einstieg in eine
prosa fand. WAS IST DA NUR LOS? ich fühle mich total hilflos, überfordert von meinen eigenen ansprüchen und stelle mich sogar bei jenen projekten, die mir gut tun sollen, ja, die ich sogar
selber erfinde, unter einen selbstauferlegten leistungsdruck, der mich jedesmal in den wahnsinn treibt. schon diese penible großrechtschreibung!!! ich hasse die rechtschreibung! ich will in einem
rutsch schreiben dürfen, so schnell wie die gedanken fliegen anstatt auf punkt und komma zu achten. dieses ständige innehalten und korrigieren unterbricht den ideenrausch so sehr, daß ich mich
schon dabei ertappe, wie ich die luft anhalte, während ich das bisher gelesene nochmal lese. ich halte die luft an, um nicht weiter zu denken sondern mich auf das wiederholen des vorsatzes zu
konzentrieren. eine einzige folter! hirnfolter! ich muß atmen. ich will atmen. tief durchatmen. und denken! weiterdenken! nicht "weiter" LEERSTELLE "denken" sondern WEITERDENKEN in 1 wort! na
toll. wars das für heute? war das etwa der geniale ausbruch von erkenntnissen, die mich heilen??? wohl kaum... UND JETZT? was mache ich falsch? verdammt nochmal: WAS!? MACHE!? ICH!?
FALSCH!??? es gibt einen geheimen zusammenhang zwischen den körperlichen symptomen und irgendwelchen verhaltensmustern, der sich meiner bewußßten erkenntnis entzieht. ich bin mir also meiner
selbst nicht 100%ig bewußßt. aber mein körper ist es. das ist ein anfang. die weisheit des körpers... ausloten... befragen... das orakel der schmerzen befragen... das SCHMERZORAKEL.
gestern schrieb ich eine presse-erklärung für die lyrikzeitung, das war das einzige, was ich zustande brachte. ich mußte es einfach tun, es war reine routine-arbeit. ich nehme keine rücksicht auf meine privatsphäre, ich behandel mich restlos wie eine öffentliche person. aber wieso eigentlich? vielleicht ist das ein teil meiner
krankheit: mich selbst zu zwingen, total gläsern zu sein, um zu sehen, was dahinter überhaupt noch übrig bleibt. diese idee des "gefühlten zen-meisters" in mir, der sich an nichts klammert
sondern nur milde lächelt und nickt: alles im grünen bereich, junge. weiter so, keine panik. es wird schon. du kannst garnix falsch machen. alles hat seinen sinn. einen geheimen sinn. einen
masterplan, der beim schreiben geschrieben wird. geschrieben? oder entschlüsselt? oder ist das womöglich am ende dasselbe? DASSELBE SELBE. großgeschrieben ohne oder mit leerstelle? GROß
leerstelle GESCHRIEBEN leerstelle. leerstelle leerstelle. ich muß aufstehen. termin beim jobcenter: meinem neuen fallmanager erklären, warum ich "akut arbeitsunfähig" bin und sogar die ausbildung
abbrechen mußte. ich muß mich zusammenreißen, keine angst zun haben. angst! unglaublich. ich ekel mich vor mir selbst. wie kann ich bloß angst davor haben, mich selbst ernst zu nehmen. angst
davor, daß mich jemand ausschimpft und sagt: "was fällt ihnen überhaupt ein, sie schmarotzender nichtsnutz!" aber wer ist dieser jemand? ich wurde bisher von beamten egal auf welchen
ämtern fast immer respektvoll und wohlwollend behandelt. von mensch zu mensch. von menschlichkeit zu menschlichkeit. irgendwo in den tiefen meiner labyrinthischen unbewußßtheit ahne ich, daß
hinter dem sogenannten "fallmanager" ein archetyp lauert, ein c.g.jungscher archetyp! es ist eine urangst davor, unschuldig bestraft zu werden, sich einer höheren macht ausgeliefert zun
fühlen, ohnmächtig zu sein gegenüber kräften, die sich das recht nehmen, einflußß zu haben, zu urteilen, zu bewerten und zu entwerten. und zwar unschuldige. aber hinter dieser kafkaesken unschuld
könnte natürlich das gegenteil lauern: die unfähigkeit, schuld auf sich zu nehmen, also verantwortung für sich selbst zu tragen - und damit: "erwachsen" zu sein! ja, das ist es. ich
fühle mich NICHT erwachsen. irgendwas in mir ist zurückgeblieben. bei allem respekt vor mir selbst: etwas ist nicht ganz auf der erde angekommen. etwas weicht aus, will immer wieder ins
"poetische" abseits flüchten. seltsam, es erinnert mich irgendwie auch an religiöse menschen, die angst vor dem lieben herrgott haben. zwar habe ich keinen klassischen gott sondern nur das
gläserne all, aber die angst ist geblieben und hat sich einfach nur verlagert. eine freudsche verschiebung auf andere objekte der nichtbegierde. meine monster sind nicht metaphysisch sondern selbstgemacht - eine runde taiji, tief durchatmen und mit guter laune zum amt. vorfreude auf
das frühstück danach mit meiner wundervollen freundin. und ich werde versuchen, wieder normal richtig zu schreiben. Schreibtherapie mit großem S. wow, vielleicht bringt es ja wirklich was.
jedenfalls fühlt es sich gesund an, mir selbst eingeständnisse machen zu können. und seltsamerweise fühle ich mich damit nicht alleine. ich spüre auf einer anderen ebene, daß ich an
allgemeinmenschliche abgründe gerate, die nicht nur meine eigene person und persönlichkeit betreffen sondern vielleicht sogar die ganze gesellschaft! ein dumpfes unbehagen im bauch: die ganze
gesellschaft unter einem hausgemachten fluch? und jeder muß ihn einzeln im detail für sich selbst knacken? den zivilisationsvirus unschädlich machen - und wie es eine bekannte in ihrer sms
formulierte: danach die biofestplatte defragmentieren. danke für dieses passende bild! das sind doch goldene aussichten für einen weißen winter... und ich bin mal wieder den tränen nah. aber
JETZT NICHT, ich muß los.
Total wichtig: der Unterschied zwischen Privat- und Intimsphäre! Das "literarische" Moment an diesem Blog soll die
Gratwanderung sein, private Probleme eines stellvertretenden Individuums so RADIKAL und dabei doch ABSTRAKT genug (anstatt in biografisch-voyeuristischen Intimitäten!) zu beleuchten, daß ein
"betroffener" Leser seine eigenen Probleme einfach nur vom Thema her deutlich und doch nur so vage wiedererkennen kann, daß genug Platz "zwischen den Wörtern" für ihn selbst bleibt, um die
eigenen spezifischen Symptome und die dahinter verborgenen Geschichten in den begrifflichen Rahmen hinein zu projizieren. Soll heißen: wenn ich es schaffe, einen Wiedererkennungseffekt
beim Leser auszulösen, ihm quasi einen sanften Spiegel vorzuhalten, in den er in dieser (Somato)Form noch nicht sehen konnte, dann besteht schon Grund zur Freude, denn das ist mein Anliegen: das
neu entdeckte Phänomen der SOMATOFORMEN STÖRUNG als modernes Großstadtabenteuer zu erforschen und mein (hoffentlich eintretendes) vermehrtes (und bitte, bitte: heilsames!) Wissen darüber weiter
zu geben, um andere dazu anzuregen, ihre zelluläre Matrix leibhaftig zu durchleuchten anstatt nur dank ihres jahrelangen komischen Gefühls wie hypnotisiert zu ahnen, daß irgendwas faul an der
Sache ist, die sie im Spiegel sehen! Je stärker die Schmerzen wurden, je ausgeprägter die Symptome sich zeigten, desto mehr sah ich im Spiegel meine eigene Oberfläche als schrottreifen
Roboter, der wie ein zu eng geschnürtes Korsett um meine Seele liegt und mir die Luft zum Atmen raubt. Aber ich brauche die Lungen zum Atmen, die Beine zum Gehen, den Kopf zum Denken, die Hüfte
zum Lieben und den Darm zum Entsorgen. Ich will mir den Appetit auf das pralle Leben nicht mehr von geheimen Kräften in mir verderben lassen! Auch bei manchen Leuten auf der Straße wirkt
es oft auf mich so, als ob eine psychische Ursache hinter der schlechten Körperhaltung oder den schrägen Übersprungshandlungen liegt, die
demjenigen aber in dem Moment völlig unbewußt ist, weil ihm noch keine Alternative visionär erschien. Wir sind so selbstverständlich geprägt von unserer natürlich dahinfließßenden Geschichte, daß
wir gar nicht bemerken, wie krankhaft großß der Einflußß bestimmter Erlebnisse auf uns sein kann, wenn wir uns nicht genug schützen, ja: Schüt-ZEN! Aber wie schützt sich zum Beispiel ein Kind vor
den Übergriffen einer Übermutter, die ihre eigenen Urängste aufs Kind überträgt, um es vor dem bösen Leben zu schützen? Dahinter verbergen sich große pädagogische Diskussionen, ob sich Kinder
besser superreal an der Hitze des Feuers verbrennen sollen, um wortwörtlich "anhand" der selbstgemachten Urschock-Erfahrung nie wieder die Finger neugierig in den Kamin zu strecken - oder ob es
genügt, dem Kind mit ernstem Blick die Wörter "Feuer gleich heiß" ins Hirn zu brennen, als ob ein Kind das Wort "heiß" spüren könnte wie echte Hitze. Womit eine ganz andere Debatte angestoßen
würde, nämlich eine Sprachspürkritik: inwiefern das phonetische oder geometrische Erscheinungsbild eines Wortes seinen sinnlichen Inhalt transportiert!
Fühlt sich echte Hitze genauso an wie das Wort "Hitze" aussieht? Wird mir bei den Buchstaben H,i,t,z,e in richtiger Reihenfolge heiß??? Oder bedarf es eines
Mindestmaßes an behavioristischer Kopplung von Wort und Tat, um der Geometrie Geist einzuhauchen? Wieviel Hitze muß ich gleichzeitig zum Hören oder Sehen des dazugehörigen Wortes spüren, um für
alle Zeiten auf diese Kombination konditioniert zu sein? Und jetzt wird es erst spannend: wieviele Jahre brauche ich, um meinen psychischen Code zu knacken? Irgendwann fühlt sich
die geistige Matrix nur noch wie eine verbrannte Festplatte an, spätestens dann tut das Denken weh. Jeder einzelne Gedanke wirkt wie fremdbestimmt, aber du kannst die Marionettenfäden nicht
sehen, an denen sich dein Geist aufgehängt hat. Die Nerven glühen, die Hände zittern, das Hirn qualmt, der Darm brennt und die Füße gehen über heiße Lava - du würdest dich am liebsten
zischend in kaltes Wasser stür-ZEN und dabei den sOMatoformen Indianerschrei "iiiii-schiiiii-aaaaasssss!" ausstoßen und wieder eins werden mit dem Universum, das doch so wundervoll kühl
und still in sich selber ruht und von all diesen Problemen nichts weiß, die sich auf diesem kleinen Planeten wie ein großkotziges Kasperletheater abspielen. Was helfen mir schon die anderen Dichter, die ihren Ekel über die Zivilisation in offiziell anerkannte (sublimierte!) Worthülsen verpackten, und dafür sogar berühmt
wurden? Der Ekel vor unserer kollektiven Selbsthypnose als sogenannter radikaler Konstruktivismus hilft mir nicht mehr weiter, ich ekel mich nur noch vor mir selbst, und das völlig
entsublimiert als Opfer und Täter in einer Person, der sein Schicksal endlich selber in die Hand nehmen muß, wenn er so alt werden will, wie er es tatsächlich will. Ich WILL die
versteckten Dateien in meinem Geist finden, die den Monitor von innen zerfressen! Mein Kopf ist mittlerweile ausgehöhlt genug, um mit einem mikroskopisch kleinen schamanischen
Quantenuboot rund um die neuroelektrische Glibbelmasse durch die Hirnflüssigkeit zu schippern wie um ein organisches Märchenschloss mit Wassergraben, um mir die verkohlten Innenwände wie einen
knöchernen Sternenhimmel mit synaptischen Sonneneruptionen anzuschauen und die Ruine zu betreten. Ich betrete die Ruine meines überlebten
Ichs...
WEITER ZUR 23. FORTSETZUNG
Zu den jeweiligen Kapitelanfängen:
II. FELDCHARAKTER
III. ROLLFELD
IV. ABFLUG
V. FLUGKRAFT
RÜCKENWIND:
Rede für Dr.med. Wolfram Keller: LEIBHAFTIGES DENKEN
FOTOS AUS DER KLINIKZEIT ALS
NEUROTAO-MINI-MEMORY-SPIEL
DER FEINE UNTERSCHIED ZWISCHEN PSYCHOSE & MYSTIK:
Letzter Blogeintrag vor dem Klinikaufenthalt (Schmer-ZEN-Teil 5)