09.NAHBELL-Preis 2008: Peter Rech

"1943 geboren, endlos, einschließlich der täuschenden verführung durch eine kunstpädagogische professur, auf dem wege für sich mit anderen menschen, mental und sozial frei zu sein" (Selbstauskunft P.Rech 2007)

G&GN-Institut New Cologne / Zum neunten Male vergibt das Berliner G&GN-Institut im Jahre 2008 traditionell am 21.6. [weil der erste Preisträger 2000 De Toys am 21.6.1989 sein Kurzgedicht "KONTAKT" niederschrieb, um seine Locherfahrung zu verarbeiten, und dadurch die transreligiös-transdualistisch motivierte Direkte Dichtung erfand] den alternativen NAHBELL-Lyrikpreis für den "unbestechlich-zeitgeistresistenten lebenslänglichen Gesamtwerkprozess", wie es auf der Urkunde sinngemäß heißt. Diesjähriger Preisträger ist der frisch emeritierte Kölner Kunsttherapie-Professor Peter Rech, der den wenigsten als Dichter bekannt sein dürfte. Abgesehen von einer handvoll Gedichten in früheren Zeitschriften, einem einzigen Einzelgedichtband ("Liebesfetzen", Claus Richter Verlag 1985) und ein paar wenigen Lesungen, treibt er sein künstlerisches Unwesen eher abseits der sogenannten Literaturszene. In Düsseldorf hatte er seinerzeit mit Joseph Beuys "was am Hut" und verfolgte noch lange die Vision der Gründung einer F.I.U. im Sinne Jupps. 1974 dichtete Peter Rech während einer Autofahrt über die Autobahn mit seinem Freund Emil Schult (von der Band Kraftwerk) die berühmten Zeilen "Wir fahr'n, fahr'n, fahr'n/auf der Autobahn", als die beiden jungen Männer den schrecklichen deutschen Schlagern im Radio ausgesetzt waren. Und als Begründer der Kölner Kunsttherapieschule und Herausgeber der Zeitschrift "Kunst & Therapie" ist er eigentlich permanent auf Vortragsreisen oder Workshops auf der ganzen Welt unterwegs, wird von vielen fast wie ein Guru geliebt, von ebensovielen aber auch für seine undogmatische, analytische Art geradezu geächtet statt geachtet - und bleibt sich dabei immer selbst treu, allerdings berufsbedingt dieses "Selbst" ganzheitlich kritisch reflektierend und in dessen kreativem Eigenleben erforschend. Auch sein brandneues typisch "DISSOZIATIV" automatisch geschriebenes Langgedicht (entstanden in nur zwei Nachtschichten), das der G&GN-Verlag anläßlich der Preisverleihung als Fortsetzung seines früheren Bandes im August 08 unter dem Titel "Neue LiebesfetZEN" in der Edition "naHbell" herausgibt, irritiert wieder im besten Sinne sämtliche zeitgenössische Lese- und Denkgewohnheiten. Schon auf seiner Lesung beim 2.OFF-LYRIK-Festival in Kiel anno 1996 bekannte er sich zu seiner "dissoziativen" Methode, die mit dem neuen Gedicht wohl in seiner bisher radikalsten Anwendung vorliegt. Der G&GN-Verlag informiert darüber ausführlicher im August 2008 zum Erscheinen des Bandes. Für heute sei dem für seine sogenannten SCHWEIGESEMINARE an der Universität Köln bekannten "Anti-Professor" und zutiefst melancholisch-lebensfrohen Alt-68er herzlich gratuliert - die Urkunde konnte sogar persönlich überreicht werden, da er zum Gespräch mit Henning Brandis in dessen Ausstellung in der Villa Oppenheim vor wenigen Tage wieder einmal nach Berlin geladen war.

PUBLIKATE IM CLAUS RICHTER VERLAG

3 GEDICHTBEISPIELE BEI LYRIKMAIL

GESPROCHENES GEDICHT "P" BEI YOUTUBE

Peter Rech: "P" = Rechts ein Eichhörnchen / Das gar keins ist die / Schlangen in den Straßen deuten / Auf das Erscheinen einer kleinen / Jungfrau hin mein Platz / Ist oberhalb des heiligen Geist / Schachtes weshalb niemand / Merkt dass die Jungfrau / Auf meinem Schoß schon sitzt / Ich bin ein Klappaltar / Ich habe drei Kugeln links / Und das ganze Spritzgebäck / Rechts und ich schlafe an ihrer Brust ein / Eine kleine Wimper liest / Den Blumentext der in / Den Mond geschrieben ist / Es war also schon immer Gott gewollt / Man entdeckt nur wenn man / Schreibt dass jedes Wort etwas verbirgt / Und dass es deshalb existiert / Damit nichts rauskommt von dem / Walten was meint ein Wort wenn / Es nicht nach einer Lüge klingt / Dem Gesetz nach es klingt nach / Dem es verboten worden ist / Das verbotene Gesetz / / Ich habe mich so vertan / Als ich hingegangen war / Ich wartete auf die drei / Prostituierten stattdessen / Sah ich leere Treppenstufen / Auf denen Luftschlangen lagen / Erdbeer-Eichhörnchen / Und Himbeer-Larven / Mit ganz langen Sicheln / Auf den Flügeln die einmal / Wachsen sollten / So dominant wiederholt / Sich die Wiederholung / So alt ist schon die schöne Sonne / Ich lief ihr hinter her / Es war eine Überraschung / Wie schön ihr Schoß war / Wie Atem beraubend einfach / Orientierungslos ausgesetzt / Es soll schon so schön düster geworden sein / Das nicht aufhörende Ansinnen / Des Nachsinnens des kleinen el / Bischen Rumpelstielzchens // (c) Peter Rech in Lyrikmail Nr.2066

LESUNG 5.10.2008: Rech & De Toys @ Café Storch, Köln (c) FOTO: R.Ploenes
LESUNG 5.10.2008: Rech & De Toys @ Café Storch, Köln (c) FOTO: R.Ploenes

LANGER LEBENSLAUF PETER RECH


Geb. am 21.5.1943 in Werdohl, Landkreis Lüdenscheid
1949
Einschulung in die Stiftsschule in Essen-Rellinghausen; während der Grundschulzeit Unterricht an der Essener Nachmittagsschule für Kunsterziehung, Ausstellungen im Amerika-Haus Essen und Veroffentlichungen in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung
1954 - 1958
Helmholtz-Gymnasium in Essen
1958 - 1964
Leibniz-Gymnasium in Düsseldorf
1963 - 1964
externe Pantomimenausbildung bei Professor Gunther Titt und Bettina Falckenberg (Folkwangschule Essen)
1964 - 1966
Wehrdienst
1966 - 1969
Studium an der Pädagogischen Hochschule Münster (Kunst: Prof. Hanns Wienhausen)
1966 - 1972
Studien an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in Psychologie: Prof. Dr. Wolfgang Metzger und in Kunstgeschichte: Prof. Dr. Georg Kauffmann
Nebenfachstudium Publizistik im Institut für Publizistik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Prof. Dr. Michael Schmolke)
1966 - 1968/69
Kunstlerische Studien im Atelier für künstlerisches und wissenschaftliches Zeichnen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Helmut Korhammer)
1969
Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschule an der Pädagogischen Hochschule Münster
1969
Missio canonica (Erteilung der Lehrbefähigung für katholischen Religionsunterricht)
1969 - 1970
Referendariat für das Lehramt an Grund- und Hauptschule in Münster
1970
Zweite Staatsprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschule (Fächer: Kunst und Deutsch und katholische Theologie)
1970 - 1974
kontinuierlicher Aufenthalt als Externer in der Klasse Prof. Joseph Beuys, Mitarbeit in der free international university mit Werner Emil Schult
1971
Dozent für Kunsttherapie an der Anna-Zillken-Schule, Höhere Fachschule für Sozialarbeit, Dortmund
1971-1972
Wissenschaftlicher Mitarbeiter für pädagogische Psychologie am Neuen Deutschen Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster (Prof. Dr. Michael Schmolke)
1972
Diplom-Hauptprüfung für Pädagogen an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Fachbereich Erziehungswissenschaft (Thema der Diplomarbeit: "Kunst und Sozialpädagogik"/ Prof. Dr. Ernst Bornemann, Prof. Dr. Line Kosso-lapow)
1971 - 1974
Promotionsstudium an der Pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe, Abteilung Münster I
20.5.1974
Promotion in Kunstpadagogik (Dissertation: "Das therapeutische Bewußtsein in Kunsttheorie und Kunstpädagogik"/ Prof. Dr. Egon von Rüden)
1972 - 1974
Verwalter der Stelle eines wissenschaftlichen Assistenten an der Pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe, Abteilung Münster I
1974 - 1979
Wissenschaftlicher Assistent an der Pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe, Abteilung Münster I
1974 -1975
Lehrauftrag für Kunstpädagogik an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, Abteilung Münster
1975 - 1980
Lehrauftrag für Kunstpädagogik an der Westfälischen Wilhelms-Universität, Institut für Kunstgeschichte
1978
Habilitation in den fachwissenschaftlichen Grundlagen der Kunsterziehung (Psychoanalyse und Soziologie) an der Pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe, Abteilung Münster I (Prof. Wilhelm Peters)
1979
Ernennung zum Dozenten an der Pädagogischen Hochschule WestfalenLippe, Abteilung Münster I
11.9.1979
Ernennung zum Ordentlichen Professor an der Universität zu Köln, Bestellung als Direktor des Seminars für bildende Kunst
1981 - 1984
Mitarbeit und Ausbildung im Verein für Kunsttherapie und Stadtteilarbeit gem. e.V. in Köln
1984-1994
Mitbegründung und Vorstandsarbeit in der Deutschen Gesellschaft für künstlerische Therapieformen und Therapien mit kreativen Medien; ab 1984 Aufbau der Kölner Schule für Kunsttherapie gem. e.V.; 1988 offizielle Ernennung zum Leiter der Kölner Schule für Kunsttherapie gem. e.V. durch den Verein Kölner Schule für Kunsttherapie e.V.; Teilnahme an psychotherapeutischen Ausbildungen, u.a. bei Professor Samy Molcho, Dr. Jorgos Canacakis-Canas und Dr. med. Jean-Paul Gonseth im Fritz-Perls-Institut, Hückeswagen, und in der Deutschen Sporthochschule (Tanztherapie, Leitung Prof. Dr. Dr. Karl Hörmann) und beim European Consortium for Arts Therapies Education (u.a. bei Russo Giuseppa Carmela und Vincenco Bellia, Tanztherapie); Zusammenarbeit mit Dr. med. Bernd Kamps und Patricia Bourcillier in der kunsttherapeutischen Behandlung magersüchtiger Patienten; Veröffentlichung mehrerer kunsttherapeutischer Bücher, Aufsätze und Fallgeschichten; Gründung und Herausgabe der Zeitschrift "Kunst & Therapie" (Claus Richter Verlag Köln, bisher über 30 Ausgaben); Gründung und Herausgabe der Buchreihe "Beiträge zur Kunsttherapie" (Claus Richter Verlag, bisher acht Bände); wissenschaftliches Beiratsmitglied bei der Zeitschrift Musik-, Tanz- und Kunsttherapie (Thieme-Verlag) bis Ende 2001
1988
Bestätigung als Lehrtherapeut für Kunsttherapie durch die Deutsche Gesellschaft für künstlerische Therapieformen und Therapien mit kreativen Medien
1994
Kunsttherapeutisch/kunstpsychotherapeutische Graduierung durch die Deutsche Gesellschaft für künstlerische Therapieformen und Therapien mit kreativen Medien
1995
Erteilung der eingeschränkten Heilerlaubnis für Psychotherapie durch das Gesundheitsamt Köln
Seit Sommersemester 1996 ununterbrochen Lehrauftrag für klientenzentrierte Kunsttherapie an der Katholischen Fachhochschule Freiburg
1997-2000
Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für künstlerische Therapieformen
1999/2000
Lehrauftrag für Kunsttherapie an der Hochschule für Bildende Künste Dresden
ab 1999
Fakultätsbeauftragter für den Austausch Warschau - Köln (Polnische Akademie der Wissenschaften Warschau, Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Warschau, Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln)

21.5.2008

EMERITIERUNG VON PETER RECH
" S O U F F R I R _ L E _ P R O F E S S E U R "

ORIGINAL-EINLADUNGSKARTE ZUR EMERITIERUNG VON PETER RECH AM 21.5.08: SOUFFRIR LE PROFESSEUR
21.5.08 SOUFFRIR LE PROFESSEUR.pdf
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"Kunst verherrlicht schamlos, nämlich ästhetisch,

indem sie verleugnet, was sie darstellt,

das, was die menschheit quält."

Peter Rech, 7.1.2014

Weitere Hörbeispiele:

www.DirekteDichtung.de

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