KAI POHL

Ein halbes Paar Socken


Ich sah die besten Köpfe meiner Generation
darüber nachdenken, wie man Menschen
dazu bringt, auf Werbung zu klicken.
   Sue-Allen Ginsbardner

 
Freiheit, Geld, Gewoba, gebt uns,
die wir nichts verlangen, Hiebe
auf den kernigen Kodex!
 
Programm erwartet uns, vorab
Informationen. Es treten auf:
Die Vorkämpferin, der Statistikheld,
der Suffbruder im aufbrausenden
Schilfhüttchen an der Isar.
 
Im Mittelpunkt steht:
Der Mars, äh, Markt.
 
Emily verfaßt im Schlafzimmer
auf einem serviertablettgroßen
Tischlein auf kleinen Zettelchen
rätselhafte Notate, von
Gedankenstrichen durchsetzt.
 
Dazu bewilligt unser Publikum
dem abscheulichsten Gewäsch
seinen lautesten Beifall
und verlangt mit Eifer
sogar nach Wiederholung.
 
Reale Personen mit realen
Emotionen können darüber
nicht lachen, nicht weinen.
 
In immer schnellerem Takt
wird auf die Tastatur
eingehackt, in kürzester Frist
verfallen die Sätze,
kühlt sich die Atmosphäre ab
zu einem globalen Blitzeiskrieg.
 
Jetzt herrschen klare Verhältnisse,
wir wissen nur noch nicht welche.
 
Neue Erkenntnisse findet man
ebensowenig wie diffizile
Operationen am Wort,
dafür vor allem gegen Ende
Erzählkonstruktionen mit rotem
Brokat, umwölkt von barocken
Satzgirlanden, verschnörkelten
Spiegeln und Mustern. Kein
Versteh- und Verständigungszwang
stößt irgendwen vor den Kopf.
 
»Frühling, hörst du?
Das Getwitter der Vögel
swingt wie Gerste im Weizenfeld!«
 
Sei der erste, dem das gefällt,
gib deinen Kommentar ein und
verschwende deine besten Jahre
damit, Formulare auszufüllen,
um an Geld zu kommen.

 

 

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