DES KAISERS NEUE KLEIDER HEIßEN "NEUER REALISMUS" * - WARUM MAN NICHT JEDEM BESTSELLER GLAUBEN SOLLTE...

(DENN: DIE TRANSFINITE SUPERTÜTE IST EIN ALTER RIESENHUT HINTER ALLEN HÜTEN!)

* oder: "Metametaphysischer Nihilismus"

"Eine unglaubliche Entdeckung für mich, die sämtlichen Traditionen widersprach. Alle Erscheinungen würden dadurch zur unabdingbaren Wahrheit erhoben, jede für sich als ausschnitthafte Teilwahrheit und die gesamte Wirklichkeit war nicht mehr Ahnung eines Größeren, sie war selbst das Großartigste..."

 De Toys, in: DURCHRAISE: Die Flugschrift (1994)

 

"Auch die Welt gibt es nicht! Das ist wohl neu für Dich? Denn Du glaubst, daß Du in der Welt wohnst. Aber in Wirklichkeit BIST DU "Welt". Die gesamte unendliche Materie, die der Physiker in eine Weltformel packen möchte, ist kein Abziehbild außerhalb Deiner selbst sondern bist DU SELBST. Die Welt betrachtet sich durch Deine Augen selbst von innen. Von ganz innen. Alles betrachtet alles. Alles ist innen. Es gibt keine Welt außerhalb dieser Welt. Es gibt Unmengen innerhalb, die es noch zu entdecken gilt oder für unsere spezifischen Sinne rätselhaft bleiben."
De Toys, in: CRASHKURS "SEELE" (2010)



"Wo ist die Realität!? Wo haben Sie die!?"

Heinz von Foerster, in: DAS NETZ (2004)

 

"Wir können niemals das Ganze erfassen. Es ist prinzipiell zu groß für jeden Gedanken. (...) Genau genommen werde ich gegen jedes Weltbild argumentieren. Denn man kann sich kein Bild von der Welt machen, weil sie nicht existiert. (...) Letztlich findet alles in einem großen Nirgendwo statt."
Markus Gabriel, in: WARUM ES DIE WELT NICHT GIBT (2013)



Tom de Toys, 9.4.2015

TRANSREALISTISCHER SOJETISMUS


Der Weltbegriff des Philosophen Markus Gabriel scheint mir eine Art Gottesbegriff zu sein. GOTT könnte man als das letzte Geheimnis bezeichnen, das niemals gelüftet werden kann, weil alles, was kein Geheimnis mehr ist, automatisch per definitionem zu einem Teil der realen Welt wird anstatt das namenlose Weltganze darzustellen. Während die Metaphysik traditionell behauptet, das transzendente Weltganze sei die eigentliche Wahrheit im Gegensatz zur sinnlichen Illusion, und die postmodernen Realisten konstruktivistisch dagegen halten, es gebe kein absolutes Geheimnis hinter der phänomenologischen Wirklichkeit, möchte ich darauf aufmerksam machen, daß beide in einem Dualismus gefangen sind, der uns daran hindert zu sehen, daß beide recht haben. Solange man das Sein in zwei Seiten aufteilt, eine materiell-konkrete und eine reingeistig-abstrakte, spielt man immer je nach persönlichem Geschmack die eine gegen die andere Seite aus. Erst wenn man anerkennt, daß die angeblichen Seiten nur Ebenen derselben Sache sind, besteht die Möglichkeit zu begreifen, daß sowohl Materialisten als auch Metaphysiker recht haben. Genauso wie Markus Gabriel die Existenz der "Welt" im Sinne der Erkenntnis des Weltganzen ad absurdum führt, stimmt es aus materialistischer Sicht auch, daß es "Gott" nicht gibt; denn dann wäre er nicht mehr das große Geheimnis hinter den Dingen, sondern nur noch ein definierbarer Teil der Welt. Aber umgekehrt stimmt es auch metaphysisch gesehen, daß kein einzelnes Teil der Welt die ganze Wahrheit beinhaltet, sondern das Weltganze per se namenloser ist als die Summe seiner unendlichen Teile. Die Weltteile und das Weltganze sind keine dualistischen Gegensätze sondern verschiedene Ebenen derselben "Sache", genannt SEIN. Früher teilte man das Sein auf in zwei Seiten: Gott und die Welt. Dann teilten sich die Lager in Gottgläubige und Weltgläubige. Der sogenannte "Neue Realismus" nun will beide Positionen wieder vereinen, indem er die Welt einerseits in den Rang des Göttlichen erhebt, andererseits aber das Geheimnisvolle des Göttlichen wiederbelebt. Dadurch wird der Begriff von "Welt" zu einem neuen Gottesbegriff und die Beziehung des Menschen zu den Weltteilen kein bißchen "realistischer" als im klassischen Realismus. Das neue Geheimnis heißt jetzt nicht mehr Gott sondern ist das WELTGANZE. Die einzelnen Teile der Welt werden durch diese Begriffsverschiebung aber nicht wirklich "realistischer" sondern erhalten lediglich den bereits bekannten Status des geheimnislos Konkreten im Gegensatz zum "neuen" Geheimnis "Welt", zu dem man früher GOTT sagte oder sich postmodern darüber ausschwieg, weil man eben nichts darüber aussagen konnte oder wollte. Der angeblich "neue" Realismus des Markus Gabriel schafft einen neuen Dualismus, hinter dessen Begriffen sich der altehrwürdige Dualismus in neuem Gewand verbirgt. Ob ich das "letzte" Geheimnis nun Gott oder Welt oder einfach nur SEIN nenne, macht letztlich keinen Unterschied. Einen Unterschied macht etwas anderes, das von dem jungen Philosophen schier unbeachtet bleibt: die Mystik. Denn da, wo kein Gedanke groß genug für das Ganze ist und kein Bild die Welt abbilden kann, da sie als Ganzes bildlos ist, hat der Mensch sich eine andere Methode erschaffen, um sich seiner EXISTENZ zu vergewissern: die mystische Erfahrung des Weltganzen jenseits von Bildern und Gedanken auf einer erweiterten Bewußtseinsebene, die eine Art "Seinsfühlung" (Karlfried Graf Dürckheim) ermöglicht. Hier, in der Mystik der meditativen Vision, kann der Mensch endlich "von innen" erkennen, was sonst nur geheim bleibt, solange es als Objekt von außen befragt wird: die Welt im Sinne des Weltganzen als Gott. Seltsamerweise wird dieses mystische Potenzial im Bewußtsein sowohl von Metaphysikern als auch von Materialisten belächelt. Vielleicht weil unter Philosophen die Selbsterfahrung nicht so viel zählt wie die verkopfte Selbsterkenntnis. Es fällt wohl den meisten Menschen wesentlich leichter, Gedanken und Bilder im Kopf herum zu jonglieren als das Denken an sich zu unterbrechen und direkt zu spüren, WIE sich die Existenz selber von innen anfühlt. In der direkten Seinsfühlung verwandelt sich alles Wahrgenommene zu einer transrealistischen Wahrheit: der Realismus wird derart radikalisiert, daß alles Reale zugleich auch die "göttliche Gedankenlosigkeit" als bildlose Weltfreiheit der Materie offenbart. Das mystische Moment der Materie kennt keinen Gedanken und kein Weltbild. Alle Gedanken verstummen. Alle Bilder lösen sich auf. Was bleibt, ist die unmittelbare Gewißheit des Seins als relativistisch erfahrbare Absolutheit. Diese philosophische Richtung nenne ich den Sojetismus (genauer: S.-O.-je2-tismus) aufgrund der Identität (So-heit) von Subjekt und Objekt in der "jeweils jetzt" mystisch erfahrenen Situation.

PLANTRUNNER (c) De Toys, 4.4.2015
PLANTRUNNER (c) De Toys, 4.4.2015

Nach der Niederschrift meiner Buchrezension recherchierte ich im Internet nach Markus Gabriel und fand das Youtube-Video einer Veranstaltung, bei der eine These vorgebracht wurde, die meine Interpretation seines Weltbegriffes bestätigt:

HURZ !

Weitere Hörbeispiele:

www.DirekteDichtung.de

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