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Publikation mit 150+1 Kurzgedichten 1985-2015: "DAS GESPÜR FÜR DIE WELT"

+ + + KUNO-TWITTERATURPREIS 2015 + + +

Sämtliche 150+1 Kurzgedichte aus 30 Jahren für das Buch "DAS GESPÜR FÜR DIE WELT", die aus maximal acht Zeilen mit jeweils maximal acht Wörtern bestehen. Das ultimative Ultrakurzgedicht hat bei mir *drei Wörter. Einen Text mit weniger als drei Wörtern empfinde ich eher als Mantra denn als Gedicht (z.B. das in der Mystik häufig verwendete "ICH BIN"), während ein echtes Gedicht für mich aus mindestens drei Wörtern besteht. Überspitzt gesagt, dient jedes weitere Wort nur der Wiederholung auf anderen Ebenen und ist daher eigentlich nicht notwendig. Inspirierte Sprache schwankt sogesehen zwischen den Extremen der mystischen Reduktion (bis ins Kryptische) einerseits und der metaphorischen Ritualisierung (bis ins Kitschige) andererseits, so daß es einer Gratwanderung auf der vibrierenden Mitte gleicht, um die richtige Menge an Wörtern zu finden, die das sich gebärende Gedicht benötigt, um seinem Inhalt gerecht zu werden...

*Das 3-Wort-Dogma gilt nicht für konkrete und visuelle Literatur, die mit zwei Wörtern oder sogar mit nur einem einzigen Wort als Gedicht auskommt, siehe herausragende Beispiele von Angelika Janz und Axel Sanjosé)

 

"Wir können niemals das Ganze erfassen. Es ist prinzipiell zu groß für jeden Gedanken. (...) Genau genommen werde ich gegen jedes Weltbild argumentieren. Denn man kann sich kein Bild von der Welt machen, weil sie nicht existiert. (...) Letztlich findet alles in einem großen Nirgendwo statt."
Markus Gabriel, in: WARUM ES DIE WELT NICHT GIBT (2013)

 

"In der Stille gab es keine Bilder mehr und alle Worte, die das erklären wollen, sind mißverständlich. Da war kein Gott. Da war nur Unendlichkeit."
Willigis Jäger, in WIEDERKEHR DER MYSTIK

- DAS EWIGE IM JETZT ERFAHREN (2004)

 

"...er hat ein für allemal die dichterische Haltung gewählt, die die Wörter als Dinge und nicht als Zeichen betrachtet. (...) man sollte meinen, er stelle einen Satz zusammen, aber das scheint nur so: er schafft ein Objekt."
Jean-Paul Sartre, in: WAS IST LITERATUR? (1950)

Anhand meiner chronologisch präsentierten Kurzgedichte lässt sich leicht nachvollziehen, wie sehr mich die Locherfahrung am 5.5.1989 völlig unerwartet überrumpelte: DADURCH waren zwar die sogenannten "religiösen" (übersinnlichen) Fragen für immer überwunden, aber das Eintauchen in die Unendlichkeit (oder besser: das Auftauchen aus dem psychoiden Sumpf des verzweifelt Suchenden) als transdualistische Totalleere UND Totalfülle gleichermaßen (vergleichbar mit der scheinparadoxen Weltsicht der Quantenphysik, daß die Materie sich SOWOHL wie eine Welle ALS AUCH ein Teilchen verhält) brachte meiner Seele eben keine Ruhe AUßERHALB der "sinnlich erfahrbaren" Wirklichkeit, sondern eher eine quasi-taoistische Dauerkrise: das Schlachtfeld meines Geistes verlagerte sich DANACH aus der abstrakt-metaphysischen Flucht direkt hinein in die "unausweichlich" konkrete Wirklichkeit selbst, die nun als RESTLOS (UND) OFFEN empfunden wurde. Eine derartig GNADENLOSE Antwort auf meine esoterische Sinnsuche hatte ich BEILEIBE (statt "weiß Gott") nicht erwartet, und so brauchte ich einige Jahre, um mich an diese völlig neue Sicht "auf" die Dinge als SINNLichtigkeit DURCH DIE DINGE zu gewöhnen. Und sogar heutzutage muß ich mich manchmal noch vor der zu tiefen, plastischen Erinnerung an meinen desaströsen Zustand VOR der Locherfahrung schütZEN, um nicht in den Hirnkrampfstrudel der dualistischen Zerreißprobe hinabgerissen zu werden. Es ging mir also niemals um "Literatur" sondern bloß um die seelische Bewältigung des Seinsschocks, der aus der eigenartig unsprachlichen Seinsfühlung resultierte. Der "Zeitgeist" wollte es aber, daß ich als Dichter in der Öffentlichkeit auftrat und einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte. Das begann allerdings nicht in der eigentlichen Lyrikszene (auch die Beteiligung an der SocialBeat-Bewegung war nur eine nebensächliche Folgeerscheinung am Rande meiner wahren Probleme) sondern mit einer Lesung an der Pädagogischen Fakultät der Universität Köln während der Studentenunruhen im Winter 1989/90, als ich den ersten sogenannten "Freien Prophessor" der AlbertA MagnA Uni spielte: bei dieser ersten öffentlichen Lesung im Rahmen einer politisch motivierten Party bemerkte ich, daß meine jugendliche Schüchternheit auf der Bühne verschwand und kein Lampenfieber mich davon abhalten konnte, den Sprung auf die Bühne zu wagen! Seitdem wurde das Dichterkostüm zu meiner zweiten Haut...

 

gez. Tom Holzapfel alias Tomithy Holeapple

(Berlin, den 23.10.2011, 6-8h morgens)

 

Diese biografische Notiz ist mit den besten Wünschen für ihren ganz eigenen kreativen Weg allen Schülern von langweiligen Deutschunterrichten und Studenten von betriebsblinden Universitätsseminaren gewidmet...


Die offizielle Begründung für die Verleihung des Twitteraturpreises:



1986

ZUFALL

Geduldig warten
Und mich öffnen
Alles annehmen
Nichts erwarten


 


27.5.1992

(Lyrikmail #1111 am 2.9.2005)

DAS GEDICHT ÜBER DIE MODERNE

Ich
Kriege
Nichts

 

 

20.4.2004

(als Lyrikmail #789 veröffentlicht am 3.6.2004)

ÜBERHAUPTGEWINN

durch zufall finden menschen oft zusammen
und daß sie trotzdem sterben ist sehr schlimm
wer wollte einen gott dafür verdammen
jede liebe ist auch so gewinn

 




Samuel Lépo, 31.1.2017


DIE VERNICHTUNG (GO) ALLER ENERGIE (E)

MÜNDET IM LEEREN FLIEßEN (E=GO)


Das kurze Gedicht "E:GO" ist genauer betrachtet ein modernes Koan, basierend auf dem altgriechischen Mythos des Narziß, der nur sein eigenes Spiegelbild liebt. Das für Koans typische logische Paradoxon besteht in dem Gedicht darin, daß es am Ende niemanden gibt, der sich selbst als Stöpselzieher erkennen könnte, da nach der Entleerung des Ozeans keine Wasseroberfläche mehr existiert, um das Gesicht (als Symbol für Identität) darin zu spiegeln. Und trotzdem behauptet das Gedicht, das da jemand sei, der sucht - aber vergebens. Über diese finale logische Absurdität lässt sich entweder jahrelang meditieren wie über ein Koan oder man erlaubt sich den simplen visuellen Trick, sich das apokalyptische Szenario plastisch vorzustellen: "niemand" (als konkrete Figur z.B. als durchsichtige Hülle) kniet am Ufer des leeren Ozeans und erkennt darum niemanden. Oder andersherum: weil der Ozean leer ist, gibt es kein Spiegelbild mehr, das von jemandem gesehen werden könnte. Der schuldige Stöpselzieher und der das Gesicht spiegelnde Ozean sind voneinander abhängig! Sobald das eine vernichtet wird, löst sich das andere ebenfalls auf. Beides existiert nur als gegenseitige Illusion. Die für Koans typische letzte Erleuchtung ist in diesem Fall also bildlich gesprochen die Vorstellung der totalen Vernichtung beider Seiten der Medaille im selben Atemzug. Was übrig bleibt ist die vom narzisstischen Ego befreite unendliche, ausgetrocknete ("nüchterne", also sachliche statt psychische) Landschaft des Seins: der bodenlose, uferlose Ozean der Leere. Wer es schafft, dieses zenbuddhistische Szenario nicht nur zu visualisieren sondern sogar in den hohlen Zellkernen der eigenen leibhaftigen Anwesenheit zu spüren, erwacht automatisch aus der Illusion, es gäbe einen Täter und eine Tat. Da ist nur noch das leere Dahinfließen des Seins und selbst das ist noch nicht einmal mehr ein wirkliches Fließen sondern eher ein Ruhen. Kein Loslassen von irgendwas geschah (da ist kein Wasser!) und kein Jemand ließ sich selbst los (da ist kein Wer!). Die Gelassenheit ist einfach los - und DA IST ganz schön was los!

Weitere Hörbeispiele:

www.DirekteDichtung.de

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