Transreale Direkte Dichtung 1989-2015

"Dadurch entgeht mir vermutlich manches kulturelle Ereignis, aber ich finde das Drama, an dem ich teilnehme, weit interessanter als jenes, dem ich nur zuschaue." Alan Watts, in: ZEIT ZU LEBEN (1972)

Alles begann mit der transreligiösen Loch-Erfahrung am 5.5.1989, woraus das ultrakurze URGEDICHT der sogenannten "Direkten Dichtung" am 21.6.1989 folgte, nachdem ich zunächst über 1 Monat lang unter einem Seinsschock litt: "KONTAKT". Seit jenem Tag habe ich schätzungsweise 2000 Gedichte geschrieben und in Lesungen meist sehr expressiv dargeboten. Viele davon wurden in G&GN-Heften, Literaturmagazinen, Kunstkatalogen und im Internet veröffentlicht, darunter auch 50 Beispiele beim ehemaligen Künstlernetz Neukölln in akribischer und detailverliebter Online-Bastelarbeit mit unzähligen Querverweisen und Hyperlinks zu themenverwandten Texten bekannter und unbekannter Kollegen und Massenmedien. Die dreizehn vorläufig allerwichtigsten Gedichte bis 2008 erschienen damals als "Very Best OF(F) Poemie"-PDF-Edition, im mehr oder weniger zwanghaft naiven Irrglauben und Wunschdenken, es könnten keine besseren, wahreren Gedichte mehr aus meiner Seele fließen. Eine sehr spezielle Auswahl wird nun hier auf Jimdo präsentiert, und darüber hinaus auch neue Gedichte des "reaktivierten" Mitarbeiters Bruno Brachland und zahlreichen weiteren ehrenamtlichen Spinnern. Seit 2010 zwangen mich die verstärkten Symptome einer somatoformen Schmerzstörung zur radikalen Analyse und Metadiagnose der psychosomatischen Muster, die als UNBEWUSSTE URSACHE FÜR POETISCHE KREATIVITÄT die scheinbar gesellschaftskritisch motivierte "Schreibwut" als allzu banalbiografischen "Schreibzwang" enttarnen, der schon im heißen Socialbeat-Sommer 1994 dazu führte, daß ich krampfhaft versuchte, nicht mehr dichten zu wollen (was fälschlicherweise als Koketterie verstanden wird, wenn man das LEIDEN AN DER EIGENEN LITERARISCHEN AKTIVITÄT DES GEHIRNS nicht kennt), da fast jedes Gedicht einem endlosen Strudel aus Angst abgerungen war, einer Angst, nicht die letzten und besten Worte zu finden, um irgendwelche vermeintlich "mystischen" oder zumindest "metaphysischen" Gedankenknoten zu lösen, die einem selbst schon unheimlich erscheinen, aber nicht verhindert werden konnten. Erst 2013 erfolgte nach einem frustrierenden schmerzbedingten Jobverlust ein erstaunlich klärender, völlig unerwarteter Durchbruch mithilfe von professionellen gesprächstherapeutischen Sitzungen, dank derer mir das NEUROSCHAMANISCHE POTENZIAL "STIMULIERENDER SPRACHE" (sprich: Neurolyrik) in einer radikalen Relevanz bewußt wurde, die mir zuvor nur in ihrer pervertierten Form möglich war zu zelebrieren, nämlich zur objekthaften Selbstverschiebung des gefolterten Ichs in ein symbolisches Sprachgebilde anstatt genau umgekehrt diese neuroliterarischen Symbole zur Rückkehr des entfremdeten Ichs in sich selbst zu benutzen...

 

"Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Sandkorn und der Ewigkeit. Sie müssen sich die Ewigkeit nicht als etwas vorstellen, das im Sandkorn enthalten ist. Das Sandkorn IST die Ewigkeit. Genau so wenig unterscheidet sich die Tatsache, dass wir jetzt hier sitzen, vom Nirwana. So wie wir hier sitzen, sind wir im Nirwana. Sie brauchen weder zum Sandkorn noch zu unserem Hiersitzen einen philosophischen Kommentar abzugeben. Er erübrigt sich." Alan Watts, 1965 in:

DIE RELIGION DER NICHT-RELIGION ('Buddhismus verstehen', 1995)

 

(G)RUNDRAUSCH (Soundcollage mit Gedicht "KONTAKT")
13:07 min - Text, Stimme & Musik (Rebirth): Tom de Toys / Produziert im marekmassiv-Studio 2002. Für Jimdo nur die komprimierte Version! Wem der Track gefällt, kann die glasklare Originalversion auf YouTube anhören! / DIE CD IST VERGRIFFEN
De Toys (G)RUNDRAUSCH 5.5.1989 komprimie
MP3 Audio Datei 3.0 MB

ORIGINALVERSION IN  BESTER AUDIO-QUALITÄT  AUF YOUTUBE

 

"Hat Lyrik noch eine Funktion innerhalb der Realität unseres modernen Lebens? Wenn ja, welche? (...) Lyrik lädt uns ein zu der einfachsten und schwierigsten aller Begegnungen, der Begegnung mit uns selbst. (...) Daher ist die Selbstbegegnung des Lyrikers zugleich einmalig und Modell von Begegnung überhaupt: mit den andern, mit der Wirklichkeit. Unwiederbringlicher Augenblick, Zeit außer der Zeit. Im Gedicht ist er eingefroren, auftaubar. Wirklicher als die Wirklichkeit: ihr jeweils neu und anders realisierbarer Potentialis." Hilde Domin, 1964 in:

'WOZU LYRIK HEUTE? LYRIK UND GESELLSCHAFT'

 

"In den folgenden Jahren gab es schon Stimmen, die solche >>guten Zeiten<< für Lyrik für problematisch hielten, nämlich für ein Symptom gesellschaftlichen Ohnmachtsbewußtseins und einer schlechten Mystik. (...) Gegen die Wiederkehr der Formen sind inzwischen Bedenken erhoben worden: gegen die (inzwischen sichtbaren) Gefahren der Konvention, gegen einen neuen Akademismus."
Harald Hartung,
1985 in: DEUTSCHE LYRIK SEIT 1965

 

 

"Einst war das Alter, da Ymir lebte,
Da war nicht Sand, nicht See, nicht salzige Wellen,
Nicht Erde fand sich noch Überhimmel,
Gähnender Abgrund, und Gras nirgends."
Die Ältere Edda

 

 

Ärwin Ängstirn Nr.2, 5.10.2001, vom Kölner Kris für Holzhund vertont, erstveröffentlicht in den Online-Akten der Rheinischen Brigade


ÜBER-B-WERTUNG
(PRÄDIKAT: "SLAMTAUGLICH")


wo bin ich hier eigentlich ? is das ne literaturveranstaltung ? oder was ? oder warum seid ihr alle hier her gekommen ? war wohl zu langweilig zuhause ? bißchen unterhaltung tut immer gut was ? unterhaltung wollt ihr ! ihr interessiert euch garnicht für poesie ! ihr habt doch überhaupt keine ahnung von dichtung ! was glaubt ihr eigentlich wie gedichte entstehen ? die falln wohl vom himmel ? oder was ? kennt einer von euch nur irgendnen dichter persönlich ? ihr würdet den garnicht ertragen ! unseren alltag ! unsere arbeit ! unsere anwesenheit ! unsere totale anwesenheit ! wollt ihr die totale anwesenheit ? wollt ihr das totale gedicht ? wollt ihr abertausende wahrheiten hören ? nein ? wollt ihr lieber was nettes hören ? und dann drüber ablachen ? dann geht doch nach hause ! macht doch die glotze an ! und besauft euch dabei ! zieht euch die scheiß nachrichten rein ! und nen porno hinterher ! aber geilt euch nicht auf unsere kosten auf ! wir stehen für euch auf der bühne ! und was macht ihr ? gaffen ! und nix raffen ! ihr seid doch idioten ! bescheuerte affen ! ich schreib mir doch nicht für solche banausen die finger wund ! was glaubt ihr eigentlich wie gedichte entstehen ? ihr denkt wohl wir machen das alles aus spaß ? seid ihr bekloppt ? oder was ? könnt ihr nicht denken ? oder was ? ich schreib mir tagtäglich die finger wund ! ich schreibe gedichte gegen den gegenwartsschwund ! gegen den ganzen totalitären postmodernen kitschigen schund ! ich schreibe gedichte weil der kosmos so riesig ist daß mir das hirn davon platzt ! ich schreibe gedichte weil mir das leben so kostbar erscheint daß meine herzklappen rasen ! während ihr noch an gott glaubt ! ihr schisser ! hat einer von euch schonmal geweint ? oder richtig gevögelt ? mit liebe mit hingabe mit totaler verschmelzung ! ohne sich aufzulösen ! und ohne danach gleich einzudösen ! euer leben plätschert doch blöde daher ! und ihr wartet ja förmlich auf euren baldigen tod ! während wir wenigstens etwas versuchen ! nähmlich nicht nur zu fluchen ! oder den näxtbesten flug auf die insel zu buchen ! klar bin ich reif für die insel ! du lächerlicher einfallspinsel ! klar will ich raus aus der kacke ! das will doch jeder ! wenn er mal nachdenkt ! wenn er mal zeit hat drüber nachzudenken ! aber wer hat denn zeit ? und wer hat dann lust ? is doch alles viel leichter mit dauerberieselung ! zudröhnen ! oder was ? abhaun sag ich ! bevor sie deine seele klaun ! du peinlicher schwachmatiker ! schreib doch selber gedichte ! du würdest das ja garnicht aushalten ! wenn dir plötzlich ein echtes gedicht durch die nervenbahnen schießt ! so eins wo dir die ohren wegfliegen ! wo du sternchen siehst ! dir die augen ausfallen ! die fäuste sich ballen ! und du beginnst zu lallen ! du hast doch garnix zu sagen ! dir fehlt doch jeder inhalt ! wer is denn hier dichter ? ich frage euch ! wer von euch pappnasen is denn wirklich ein dichter ? ihr habt doch alle nix zu sagen ! ihr redet doch nur überflüssigen müll ! gedichte sind schrecklich ! die machen dich fertig ! die kommen genau dann wenn alles vorbei is ! wenn endlich wieder ein bißchen ruhe einkehrt ! wenn du an nix böses denkst ! wenn du einfach nur megabewußt abhängst ! dann passiert es ! dann kannste schauen wo du bleibst ! dann läuft nähmlich nix mehr ! dann kannste alle termine abblasen ! dann mußte schreiben ! nix als schreiben ! ich sags dir ! alle gedichte sind schrecklich ! vorallem die liebesgedichte ! die machen auch immer weiter ! grade mal ruhe und schon das näxte ! gedichte sind hartnäckich ! sind hart an den dingen ! da platzt dir das trommelfell vor lauter stille ! da ises vorbei mit dem freien wille ! die sprache is folter ! die sprache versklavt dich ! das is nähmlich heftiger als mal eben schnell rumzustottern ! verflucht sei die sprache ! ich hab keinen bock mehr zu sprechen ! ich werd mich an dieser saudummen sprache rächen ! jetzt is der große moment gekommen ! endlich ! jetzt werde ich schweigen wie dieses wunderschöne massengrab !

 

(c) Entnommen aus: 

De Toys: "WARUM HAST DU NICHT ZUR ANDEREN SEITE GESCHAUT?" (G&GN 2008)
93 Kritische Gedichte von Köln bis Neukölln 1993–2008 (Heimliche Hommage an Rolf Dieter Brinkmann) im G&GN-Verlag 2008
93x_DeToys-ANDERE SEITE_2008 update.pdf
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De Toys: Uraufführung SMS-Copoem mit Peter Rech (c) 9.7.09 @ KOLLAGE (Berlin)
De Toys: Uraufführung SMS-Copoem mit Peter Rech (c) 9.7.09 @ KOLLAGE (Berlin)

Weitere Hörbeispiele:

www.DirekteDichtung.de

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