www.LYRIKSZENE.de - DER NAHBELLPREIS

DEUTSCHE OFFSZENE DER DICHTKUNST


Nahbellpreisträger-Portraits 2000-2017

"Mit der Höhe des Preisgeldes soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie wertvoll ein Dichterleben eigentlich ist, wenn es wie jeder andere Beruf als tagtägliche Arbeit verrichtet wird. (...) Die hohe Summe des Nahbellpreises soll nicht nur garantieren, dass der Preisträger lebenslänglich ohne ökonomischen Druck auf höchstem Niveau und mit ungebremster Konzentration zum Wohle des kulturellen Fortschritts kreativ sein kann, sondern dass er sogar seinerseits selbst Geld an weitere Projekte ausschütten kann, die er für förderungswürdig erachtet."  (G&GN 2015)

Interview mit dem 3.Nahbellpreisträger 2002: STAN LAFLEUR

Interview mit dem 15.Nahbellpreisträger 2014: KAI POHL

Interview mit dem 16.Preisträger 2015 JONAS GAWINSKI

Interview mit dem 18.Preisträger 2017 A.J. Weigoni

"Was Alfred Nobel unter 'ideal' verstanden haben mag, hat einer seiner Freunde später formuliert – in einem Brief, der vor ein paar Jahren gefunden wurde: >>Nobel war Anarchist, mit 'ideal' meinte er das, was eine polemische oder kritische Haltung gegenüber der Religion, der Monarchie, der Ehe und der Gesellschaftsordnung insgesamt einnimmt.<< (...) Nicht jedes Jahr können sich die Akademieglieder bereits zur Nobelwoche auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen." Daphne Springhorn, in:

Wie wird man Nobelpreisträger für Literatur? (2012)

 

"Die sich ermächtigt fühlen, Literaturpreise zu verteilen, haben in der Regel nicht viel mit Literatur zu tun. (...) Hat ein Name in den Köpfen etablierter Juroren Platz genommen, wird jede spätere, weniger sattelfeste Jury dem einmal preisgekrönten Dichter unbesehen den eigenen Literaturpreis hinterhertragen. Voraussetzung: die erste, maßgebliche Jury bestand aus anerkannten Hintergrundfiguren des Literaturbetriebs. (...) Insider und Macher wissen da besser Bescheid und können ziemlich leicht beweisen, daß es die Literaturmafia nur in der Vorstellung von Undergroundliteraten gibt, die sich selbst nichts zutrauen. Die beliebige Zusammensetzung jeder Jury führt praktisch dazu, daß jeder Bürger einen Literaturpreis aussetzen und vergeben kann. Im westdeutschen Literaturbetrieb ist die Ein-Mann-Jury bereits institutionalisiert. Dies ist - auf die Literatur beschränkt - die höchste Form, der edelste Ausdruck bei uns realisierbarer Demokratie. (...) Wo Originalität eine Frage von Reklame ist, da schlägt die Sternstunde der Abstauber. Genug öffentliche Mäzene lassen sich finden. Sie geben den preiswütigen Kulturfunktionären die Gelegenheit, die Fiktion einer intakten Kulturlandschaft zu verbreiten. Öffentliche Gelder finden Verwendung, um die Öffentlichkeit irrezuführen. (...) Es war schon viel, daß einige Autoren begriffen hatten, wie wenig die anwesenden Honoratioren, die immerhin mit dem Anspruch auftraten, die Öffentlichkeit zu repräsentieren, PRIVAT hergegeben hätten. (...) Ein progressives Publikum erwartet heute von progressiven Autoren, die Gelder aus der Hand des Kapitals anzunehmen und als Mittel zur Revolutionierung der Gesellschaft einzusetzen. Da progressive Künstler jedoch gerade auch in der eigenen Tätigkeit primär immer Revolutionäre bleiben, können sie die Gelder strenggenommen auch dann nicht individualistisch mißbraucht haben, wenn sie sie ganz oder teilweise privat verwenden."
Klaus Stiller, in: LITERATUR ALS LOTTERIE (1974)

 

"Das Bürgertum liest den Schriftsteller, es allein ernährt ihn und entscheidet über seinen Ruhm. (…) Und da der Künstler ganz in seinem Milieu steckt und dieses nicht von draußen betrachten kann, da seine Proteste wirkungslose Seelenzustände sind, bemerkt er es gar nicht, daß das Bürgertum eine unterdrückende Klasse ist; (...) Mit Revolten wird das Bürgertum fertig. In gewissem Sinne ist es sogar ihr Komplize: es ist immer noch besser, die Kräfte der Verneinung in einem eitlen Ästhetizismus, in einer wirkungslosen Revolte zusammenzuhalten; wären sie frei, dann könnten sie sich in den Dienst der unterdrückten Klassen stellen."
Jean-Paul Sartre, in: WAS IST LITERATUR?" (1950)

 

"Ein schöpferischer Mensch kann keinem ausgetretenen Pfad folgen. Er muss seinen eigenen Weg finden, muss im Dschungel des Lebens danach forschen. (...) Doch das Kollektiv hat seine eigenen Bestechungsmethoden: Es zollt jenen Respekt und Ehre, die unter Beweis stellen, dass der Weg der Kollektivpsyche der einzig richtige ist. (...) Jede kreative Seele - ganz gleich, was sie hervorbringt - sollte geachtet und geehrt werden, um die Kreativität zu ehren. Aber sogar Politiker bekommen den Nobelpreis, und sie sind nichts als clevere Kriminelle."
OSHO (Bhagwan Shree Raijneesh 1931-1990), in: "KREATIVITÄT"

 

Der Lyrik-Nahbellpreis für die "lebenslängliche Zeitgeistresistenz und Unbestechlichkeit im Gesamtwerkprozess" (Zitat Urkunde) wird vom G&GN-Institut seit dem Jahre 2000 jährlich an deutschsprachige LEBENDE LYRIKER vergeben. Der erste Preisträger war Tom de Toys, der sich mit seiner fulminanten Nahbellrede bei der Jury (bestehend aus dem 1.Vorsitzenden Sebastian Nutzlos, dem Kunstkritiker Dr. Egon Denkmal & dem Pressesprecher Samuel Lépo) performativ bedankte und daraufhin als Ehrenmitglied in die Jury aufgenommen wurde...

"Since 2000 the german G&GN-Institute (founded in Cologne 1990 but settled in Düsseldorf since 2012 after a decade in Berlin) yearly awards an alternative poetry prize at the 21st of June as a symbolic alternative to the well-known "Nobel"-Prize for literature. The meaning of this different prize is not to forget IMPORTANT INDEPENDENT POETS THAT ARE STILL ALIVE but not at all or not well enough supported by the conservative establishment, because they are too individual and original for the laws of the normal big book-market. Unfortunately til now we got NO MONEY at all and still please you to support the prize, even if you can power it only with a little amount... Thanx!"

Sebastian Nutzlos (the G&GN-president)

IM L&Poe-TICKER NR.87 VOM JUNI 2005 ANTWORTET DER LYRIKZEITUNG-HRSG. DR. MICHAEL GRATZ (INSTITUT FÜR PHILOLOGIE, UNIVERSITÄT GREIFSWALD) DEM LYRIKER WILHELM FINK, DER DIE NAHBELL-PREISVERGABE FÜR EINE "SCHERZKEKS-MELDUNG" HÄLT (AUSZUG): "Nahbeller? Während zu dieser Stunde die Agenten der großen Verlage auf die Siegerkürung in Klagenfurt warten, müssen Sie sich mit dem Selbstverlegen Ihres Werks abmühen. Der österreichische Autor Franzobel hatte zehn Bücher im Eigenverlag oder in (aus Sicht des deutschen Literaturbetriebs) kleinen österreichischen Verlagen publiziert. Das elfte Buch erschien 1995 bei Suhrkamp - kurz nachdem er den Bachmannpreis gewonnen hatte. Franzobel scheint nicht klug geworden zu sein, denn einen Teil der frisch gewonnenen Knete steckte er in ein Gedichtbuch von Angelika Janz: Schräge Intention. Gedichte. edition ch, 1995. Welche deutsche Feuilletonredaktion liest Bücher aus solchen Verlagen? In dieser Lage finde ich Aktionen wie die diversen des Instituts für Ganz & GarNix erfrischend und sogar notwendig. (...) Eine respektable Liste - und das ist kein Scherz!"

 

"In einer Quellenedition gibt die Akademie auf tausend eng bedruckten Seiten Einblick in das Drama, das sich alljährlich hinter den Kulissen abspielt, in die Kämpfe und Rituale. Joyce, Proust und Rilke haben den Nobelpreis bekanntlich nie erhalten. Die Quellenedition zeigt nun aber, dass die oft gescholtene Schwedische Akademie hierfür nur einen Teil der Verantwortung trägt. Von 1901 bis 1950 hatte das Nobelkomitee 1256 Autoren zu beurteilen. Aus vielen Ländern trafen Vorschläge in Stockholm ein. Keiner jedoch hielt Joyce, Proust und Rilke für nobelpreiswürdig, auch kein Kollege, wohlgemerkt. Keiner dachte an Tschechow, Musil, Lorca, W. H. Auden, Brecht, Anna Achmatowa oder Edith Södergran. (...) Alfred Nobel hat den Preis, was oft vergessen wird, gestiftet für Literatur 'idealer Ausrichtung'. Sein Wille spielt bei der Wahl, ob als Vorwand oder nicht, oft eine Rolle. Das Drängen auf Optimismus, auf Harmonie, das in den Werturteilen des Komitees häufig zum Ausdruck kommt, erinnert an den Philosophen C. J. Boström, dessen idealistisches Denken Generationen schwedischer Akademiker prägte."
Neue Zürcher Zeitung, 8.4.2002

 

"Die Geschichte des Literatur-Nobelpreises ist im wesentlichen ein Versuch, ein unklares Testament auszulegen. Der Erfinder des Dynamits versteckte Sprengstoff in seinem letzten Willen: Die Zinsen seines riesigen Vermögens sollen demjenigen lebenden Schriftsteller zugute kommen, "der in der Literatur das Vorzüglichste in idealer Richtung geschaffen hat". In seinem Testament legte er weiter fest, dass der Preis für eine Leistung des vorangegangenen Jahres verliehen werden solle, dass keinerlei Rücksicht auf die Nationalität genommen werden solle und dass das Werk der Menschheit den "größten Nutzen" erwiesen haben müsse. (...) An Kritik an der Schwedischen Akademie und ihren Entscheidungen mangelt es nicht: Schriftsteller, die zu unrecht den Nobelpreis erhalten haben, andere, die ihn verdient hätten, ihn aber nicht bekommen haben, fehlende Urteilskompetenz der Akademiemitglieder, zu starke Konzentration auf europäische Literatur, Unterrepräsentierung der Frauen sowohl bei den Preisträgern – nur sechs Frauen in hundert Jahren – als auch in der Akademie selbst, etc. Doch egal, wie sich die Akademie entscheidet, sie wird es nie allen recht machen können, ihre Wahl wird immer Begeisterung bei den einen und Entrüstung oder Fassungslosigkeit bei den anderen hervorrufen. Eine Beurteilung von Literatur kann nie vollkommen objektiv sein, da persönliche Vorlieben immer eine gewisse Rolle spielen."

100 Jahre Literatur-Nobelpreis, arte TV: Kunst & Musik (2001)

 

Weitere Hörbeispiele:

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