" Wieviel Unsinn! Man liest eben rasch und oberflächlich,

und man urteilt, ehe man etwas verstanden hat."
Jean-Paul Sartre, in: WAS IST LITERATUR (1950)


"Die Welt der 'So-heit' ist leer und weit, weil sie dem Geist das Denken verleidet und das Geschwätz über Definition zum Verstummen bringt, so daß nichts zu reden übrigbleibt. (...) Wir können außerhalb des Geistes kein Selbst entdecken und keinen Geist außerhalb eben der Erfahrungen, die der Geist - jetzt verschwunden - zu ergreifen versuchte."
Alan Watts, in: ZEN-BUDDHISMUS (1961)

 

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für eine antimetaphorische Direkte Dichtung

MOTTO: LYRIK SCHAFFT BEWUSSTHEIT IN EINER BEWUSSTLOSEN WELT !

 

"Eigentlich geht es in der Kunst nicht um die Bilder sondern deren Inhalt. Diesen ins Leben umsetzen bedeutet plastische Bilder zu finden, deren sozialer Selbstzweck heilsam ist. (…) NICHT AN BILDERN KLEBEN SONDERN HINDURCH BEWEGEN! FREIE MENSCHEN VERNETZT EUCH UM DAS LEBEN ZU POETISIEREN! Gegen diese schöne alte Plastikwelt und gegen die esoterisch-positivistisch halbierte Zweckemotionalität!"
De Toys, in: KÄMPFE KÜNSTLER (Manifest von 1990)


"...die seltsame loch-erfahrung, in der sich der ganze dualismus wie eine fatamorgana auflöste und es keine einteilung der wahrnehmung mehr gab in eine vermeintliche welt oder WIRK-lichkeit und ein geheimnis "hinter" der welt bzw hinter der WAHR-nehmung, die bis dahin als FALSCH-meldung galt. plötzlich war alles ineinander verschmolzen und eine unsägliche nichtexistenz durchdrang alles sinnliche, das ich dadurch plötzlich nicht mehr als sinnestäuschende matrix im vordergrund empfand sondern als AUSDRUCK dieser gigantischen leere, die sich IN ALLEM anstatt einer wahrheit "hinter den dingen" auftat und alle erhofften hinterwelten und hintergründe als illusion des dialektischen geistes entpuppte, wodurch auch die wörter schlagartig nicht mehr nur relativistisch deskriptiv waren sondern in ihrem objektbezogenen naturell zugleich ABSOLUTE gültigkeit erlangten! DAS war die voraussetzung für "direkte" dichtung, weil ab jetzt prinzipiell jedes wort rein theoretisch poetisch erlaubt werden konnte, weil poesie für mich das strenge ideal einer wahrhaftigen sprache war, die keine falschmeldungen über die welt verbreitet sondern die wahrheit ausdrückt! es war also nun endlich doch möglich, die sinnliche wirklichkeit ernst zu nehmen, ohne ihr einen metaphysischen hintergrund anzudichten! ich fühlte mich mehr als erlöst von den qualen der fragerei, ich fühlte mich jetzt noch dazu von einer transrealen erkenntnis beschenkt..."
De Toys, 19.5.2013 in: sOMatoform Nr.02

"MYSTIK, MEDITATION & MELANCHOLIE"

(in: MEHR JETZT, 2014)

MYSTISCHE MATERIE STATT METAPHYSIK

- ÜBER DIE "NEUROLYRIK" IM 21.JHD. -

Der Glaube an metaphysische Dimensionen des Seins hat die Geschichte der Lyrik ebenso entscheidend geprägt wie die gesamte Kunstgeschichte, die jahrhundertelang vorallem auf die Dogmen der Religionen fixiert war. Einen direktsinnlichen Bezug zum Weltganzen hatten (und haben noch immer) im Grunde nur Freigeister, vorallem in gefährlich metaphysisch-fanatischen Zeiten. Als "indirekte" Haltung gegenüber der Realität gilt jede Art von Religiosität, weil dadurch alle Phänomene als Gleichnisse für etwas Transzendentes behandelt werden. Bildsprache dient hierbei immer als Hinweis auf höhere, größere, verborgene, utopische, ideal(istisch)e Ebenen, die durch die Verwendung von Metaphern behauptet und angedeutet sein sollen. Dagegen beziehen sich "direkte" Stimmungsbilder (wie z.B. im Gedicht "SÜDSONNE") und Zustandsbeschreibungen (wie z.B. in der "DÜSSELDORFER ELEGIE") nur auf die konkreten Energien, die das Bild selber darstellt, ohne etwas anderes zu symbolisieren, geschweige denn dahinter liegende esoterische Pseudoentitäten. Die "direkten" Inhalte sind deshalb anti-esoterisch und anti-symbolistisch, im besten Fall sogar SUPERKONKRETISTISCH anstatt irgendwie metaphorisch. Pathetische Bildsprache (wie z.B. im UU-Gedicht [Ute Uferlos Zyklus] "JENSEITS DER KREISEL") wird ausschließlich für direkt-ekstatische Zustände verwendet, nicht zur Glorifizierung von Geheimnissen. Die "Direkte Dichtung" kennt keine Geheimnisse, sie ist prinzipiell OFFEN und meint genau das, wovon sie redet. Die Poetologie der "Direkten Dichtung" als NEUROLYRIK beginnt mit dem spirituellen Kurzgedicht "KONTAKT" vom 21.6.1989, aber erst 1995 verwendet De Toys den Begriff "Direkte Poesie" erstmals öffentlich auf der Plakatwerbung für seine Einzellesung im Kölner Theater BelAir, mit der er sich programmatisch von der Socialbeat-Bewegung abgrenzt. Das "direkte" Moment dieses poetologischen Ansatzes liegt in der ANTIMETAPHORISCHEN HALTUNG gegenüber der Wirklichkeit, die nicht symbolistisch sondern konkret interpretiert wird. Die Phänomene der Realität werden nicht als Metaphern oder Symbole behandelt, die Dichtung ist dementsprechend nicht kryptisch und hermetisch, sie ist in einer offenen psychologischen Sprache verfasst, die die nervösen und natürlichen Zustände der Welt beim Namen nennt. Der Titel des Auftaktgedichtes verweist dabei bereits auf die Metapoetologie eines mystisch-materiellen, perinzendenten* KONTAKTISMUS als visionäre Lebensphilosophie, die von De Toys später auch als "Lochismus" bezeichnet wird. Die Themen der Direkten Dichtung beziehen sich daher zumeist auf die spirituelle Befindlichkeit des postmodernen Menschen, der seine soziale - und durch die technologische Entwicklung neuerdings auch virtuelle - Umwelt als geistige Entfremdung vom Ganzheitsbewußtsein empfindet. Die als schockierend und tiefenphilosophisch katastrophal empfundene Diskrepanz zwischen einem transreligiös "befreiten" Lebensgefühl und den dogmatischen Zwängen der soziologischen Lebenswelten bestimmt immer wieder die Aussagen der Gedichte. Besonders die Fähigkeit, "ganz aus dem totalen Jetzt heraus" wahrzunehmen anstatt der Realität nur vorgefertigte Meinungen überzustülpen, wird zum Hauptmerkmal der Texte (siehe dazu als Beispiel das Sonett). Literarisch kulminiert der "direkte" Ansatz in der am 11.1.2001 erfundenen QUANTENLYRIK, die der Dichter als Vollendung der Idee der "konkreten" Lautpoesie im eigentlichen absoluten Sinne versteht: die Antisilben ("QUAntisilben") der Ursprungswörter eines normalen Gedichtes wecken keinerlei abstrakte Assoziationen mehr, sie sind phonetisch 100% eigenständig, ohne auf etwas anderes als sich selbst hinzuweisen. Hier wird also das antimetaphorische Moment überspitzt auf die Sprachelemente selbst übertragen, ein Quantengedicht wird selber zum primären sinnlichen Phänomen, das einen transpersonalen Zustand auslöst. Eine andere Spielart des Direkten findet sich aber auch in der Theorie der "Erweiterten Sachlichkeit" für erfüllte, echte Liebeslyrik. Die Liebe wird hierbei nicht als metaphysisches Substantiv sondern als KONSEQUENZ DES KONTAKTISMUS behandelt: es gibt keine Liebe an sich, sondern nur "gemachte" Liebe zwischen real Liebenden. Als Ergebnis entstehen durch die Begegnung der Liebenden emotionale und spirituelle Phänomene, die selber als transreal bewertet werden, also nicht als materialistisch im einzelnen Mensch fassbar sondern nur im mystischen Zwischenbereich der konkreten Teilnehmer von solchen Begegnungen angesiedelt. Hier spielen für Tom de Toys solche Bedingungen eine Rolle, wie sie von Erich Fromm (Haben oder Sein) und Martin Buber (Ich und Du) formuliert wurden. Später bezieht er sich immer häufiger auf Alan Watts, dessen Werke ihm in der Jugend noch nicht vertraut waren. Viele Gedichte kreisen um die Überwindung des Egos als illusorische Instanz und die ekstatische Wahrnehmung der Wirklichkeit aus dem Geiste der Ichfreiheit, wie sie von Jean Gebser (Ursprung und Gegenwart) beschrieben wird...

 

G&GN-INSTITUT, den 12.+14.1.2015 @ Düsseldorf Eller Süd

 

*perinzendent = per-in-zendent (immanent diaphan) statt trans-zendent

 

"die existenz aber ruht OHNE das wort 'existenz' in sich selbst und verzichtet auf alle gedichte, die das authentische selbstgefühl zur verwechslung mit einem lyrischen ich überreden wollen. die einzigen brauchbaren gedichte sind nun nur noch diejenigen, die über echte gefühlswelten sprechen, die über das ich hinausgehen und als objekt wirklich geliebt werden können. das ich ist daher kein wort für gedichte mehr"

De Toys, 12.10.2013 in: sOMatoform Nr.40

"SATZ-ICH & SELBST-ICH" (in: "MEHR JETZT", 2014)

WEITERFÜHRENDE POETOLOGISCHE TEXTE

EXTERNE "POETOLOGISCHE" LESETIPS:

1) Wikipedia-Definition des Begriffs "Poetologie"

2) Stiftung Lyrik Kabinett: Reihe "Münchner Reden zur Poesie"

3) Bitte Vorschläge über das Kontaktformular einreichen

Weitere Hörbeispiele:

www.DirekteDichtung.de

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