Politlyrik: "LEGENDE"

(HOMMAGE AN DIE HAUPTSTADT)

inVALIDe UNDER CONSTRUCTION (c) De Toys, 19.4.2010 (gegenüber vom Hbf) inVALIDe UNDER CONSTRUCTION (c) De Toys, 19.4.2010 (gegenüber vom Hbf)

3 meiner allerwichtigsten Langgedichte aus den 90ern des 20.Jahrhunderts entstanden unter dem Pseudonym Tom Toys (OHNE "de"), daher gehören sie eigentlich in eine andere Rubrik meiner Jimdo-Werksortierung. Dort befindet sich bereits die "INFLATION" aus dem Jahre 1993. Direkt hier drunter folgt nun der 10-teilige Zyklus "LEGENDE (HOMMAGE AN DIE HAUPTSTADT)" von 1998 und das dritte im Bunde (in der Linkliste) ist die Kurzform von "LANGEWEILE" (Köln 1994), dessen "wütender" Stil damals unter dem Einfluss der SocialBeat-Bewegung stand: "EXTASE STATT ELITE" (Kiel 1997)...

BIG BEACH OHNE OZEAN (c) De Toys, 18.7.2010 BIG BEACH OHNE OZEAN (c) De Toys, 18.7.2010

 

Tom (de) Toys, 19.-21.5.1998

LEGENDE
( HOMMAGE AN DIE HAUPTSTADT )


I

wer A sagt muß auch Berlin betreten der baustelle verblödet
am anfang ist irgendein untergang mit der sonne
prahlen die wörter im lärm der sprachlosen
erfindung von zukunft hat abgedankt
als rauschendes fest der veruntreuten
seele nicht großstadt nicht dorf und
erstrecht kein New York Barcelona und
Belgrad Bayern und Belfast sind überall
irgendein Brecht irgendein Heine
stirbt jede sekunde
die engel heißen nicht Rilke und Rumpelstilzchen
wohnt in der ewigkeit eines toten punktes
des kunstbetriebes
wo alle fluchtversuche zu spielfilmen führen
und führen uns schon zurück
bis die kinderlein schimpfen
wir hätten die große vergangenheit zugebaut

II

haut aufs herz
wir lesen die wahrheit
nur ungerne
von sterbenden lippen
noch einsamer
weltenbürger
aus liebessucht
entarteter
blick zwischen
gerade und gleich
kann niemand warten
wenn sonne und mond
dasselbe schlupfloch
ins diesseits
verschmelzen

III

in vollendeter müdigkeit
durch die schlaflose hitze
der ampelanlagen
vergoldeter herzschläge
den mut zur verzückung
beim atmen von durchsichtigen
falten enträtseln das
eigentlich eigentliche
am ganzen berührung
tut not sobald ängste
die lust überhöhen

IV

Berlin du bist nie mein Paris gewesen
dein winter ist kalt aber nicht ewig
dein frühling brennt sämtliche bilder nieder
bis hoffnungen sanft zu freundschaft verwesen
den hirnkadaver pflanzen wir in die mitte vom park
und tanzen mit gegenlicht auf unserem sarg
während hupen sirenen und kirchenglocken
täglich nichts ungewöhnliches
offenbaren will ich
meine zärtlichkeit aufbewahren
und schenke dir alle geduld
die brüchiger stahlbeton trägt
ohne kreiselverkehr bliebe massengelächter
wir proben den ernstfall noch für uns alleine
kein ballspiel gestattet
der liebe freien lauf
ich vermisse dich
in jedem menschen

V

wen das leben verzaubert kennt keine schranken
die schöpfung erschöpft sich in jedem moment
mit vögelgezwitscher aus allen ecken
der supermarkt ist garnicht weit
wer meint Berlin sei etwas ganz besonderes
sollte mit überraschungen rechnen
nicht mit geld

VI

von fremden umgeben die gleiches tun
mit dir glücklich
von einer zur nächsten gegenwart huschen
die kräne knirschen bis die kuppel glänzt
wir freuen uns auf den besuch von berühmten
langweilern
wer wird dann wen verschonen

VII

an deiner seite dem arbeiterstrom des neuen
tages zwischen asphaltlabyrinthen
touristenbussen und frischen schrippen
zwei wohnungen durch den gemeinsamen namen
entschatten als einsiedler vertrautes
lebensnetz kreuzen und alles
ändern was freiheiten widerspricht
den lachenden handküssen
im sofa auf sand versinken
Berlin versenken Berlin du
strand ohne ozean

VIII

kanalsysteme und schienenterror
beim milchkaffee x-beliebiger straßencafés
vergessen das analphabeth
reicht bis zum kleinen Z

IX

ein wunderbares
verhältnis hat begonnen
egal wohin

X

außerirdische
stimmungsgeräusche verdeutlichen
die heimholung schiffbrüchiger
monaden im spuk
entspannen

 

KIRCHENKYBERNETIK (c) De Toys, 27.3.2011 KIRCHENKYBERNETIK (c) De Toys, 27.3.2011
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EVERGREEN: DIE NEUKÖLLNER STUNDE NULL (oder: die peinlichste Szene-Schote 2002: Was Sie schon immer mal über Ben Becker & Bertolt Brecht wissen wollten!)

Der wichtigste "schmal-lange" politische Text des Jahres 2011 als GASTBEITRAG hier: Clemens Schittko "Der nullte Kaddish" und das brandneu gastierende 2012er-Politpoem von Kai Pohl "Durchgeknallte Materie"

Mein allergrößter literarischer Mißerfolg (2003) auf nationaler Ebene: die überdadaistische Hommage an Hans Arp mit allen Hintergrunddetails!

Mein schönstes Erlebnis als Lyrik-Rezitator (2010) am 10. Weltpoesietag 21.März mit Gedichten von Hans Vogt: WORLD POETRY DAY

 

De Toys, 23.1.2009

OVERWOR(L)DED
(BE-ing NOWhere)
[12.PRAYER OF TRANSRELIGIOUS HOLeISM]

no sun no moon no galaxy
no thoughts of nothing and
no nothing no illusions and
no truth no question but
no need for answers
is the answer just
awake aware arrived
where this is
called the only THIS
AND THAT is sure
like nothing more than THIS
AND THAT turns mad
if you can't love it
like the laughter
of your lover
of your laughter
til the end of time
within this mOMent
that is touching
as you know it
now from inside
where the emptiness
turns outside
showing this is
no side never

 

De Toys, 17.1.1993

KINDHEIT

ich wachte auf
die sonne schien
und ich
fing wieder an
zu spielen

 

De Toys 1970 @ TomDeToys.de De Toys 1970 @ TomDeToys.de

 

"Auch heute noch blickt der Realist nur nach außen und ist sich nicht bewußt, ein Spiegel zu sein. Auch heute noch blickt der Idealist nur in den Spiegel und kehrt der realen Außenwelt den Rücken zu. Die Blickrichtung beider verhindert sie zu sehen, daß der Spiegel eine nicht spiegelnde Rückseite hat, eine Seite, die ihn in eine Reihe mit den realen Dingen stellt, die er spiegelt: Der physiologische Apparat, dessen Leistung im Erkennen der wirklichen Welt besteht, ist nicht weniger wirklich als sie."
Konrad Lorenz, in: DIE RÜCKSEITE DES SPIEGELS (1973)

ARATIONALER ASTRONAUT (c) De Toys, 21.1.2006 @ www.URENGEL.de ARATIONALER ASTRONAUT (c) De Toys, 21.1.2006 @ www.URENGEL.de

 

De Toys, 9.2.2005

KU(E)R-Zen!

jeden morgen
wach ich auf
und denke
es ist wirklich
ein geschenk
und wunder
noch zu leben
wieder da
zu sein
die welt
zu spüren ganz
egal in welchem
zustand
alle körper
alle kriege
sich befinden
denn der tod
kommt sowieso
viel früher und
viel schneller
als uns recht
ist jede
einzelne sekunde
lohnt sich
mit der inbrunst
ihrer kurzen
gegenwart
als ewigkeit
zu würdigen