Antiprosa: "DOPPELTE ENTFREMDUNG"

Neurosoziologische Erläuterungen zum

"Arationalen Arbeitsbegriff"

ANTIMYSTIK (c) De Toys, 5.5.2012 @ Kölner Fußgängerzone (Blick aus einem WDR-Büro)
ANTIMYSTIK (c) De Toys, 5.5.2012 @ Kölner Fußgängerzone (Blick aus einem WDR-Büro)

 

"Die Welt konzentriert sich zu sehr auf das Geldverdienen und schenkt der Seele zu wenig Aufmerksamkeit."
Ian Player, in: Krieg um das Nashorn (24.11.2013)

 

"Und alle Arbeit ist leer, es sei denn, da ist Liebe. (...) Und wenn Ihr mit Liebe nicht arbeiten könnt, sondern nur widerwillig, dann ist es besser, Ihr lasst Eure Arbeit und hockt am Eingang des Tempels und nehmt die Almosen derer, die mit Freude arbeiten."
Khalil Gibran, in: DER PROPHET, 1923

 

"Gesundes soziales Leben ist nur möglich, wenn dieses Interesse für die eigene werte Persönlichkeit erweitert wird zum wirklichen sozialen Interesse. (...) Das gerade wird die Arbeit wertvoll machen, dass sie nicht mehr entlohnt wird. Denn woraufhin gearbeitet werden muß (...), das ist: die Arbeit zu trennen von der Beschaffung der Existenzmittel."
Rudolf Steiner, in: FÜREINANDER LEBEN IST MÖGLICH - DURCH DAS INTERESSE AM ANDEREN MENSCHEN (30.11.1918, Dornach/Schweiz)

 

"Solche 'utopischen' Erziehungsmethoden werden sich erst dann durchsetzen, wenn . . . (...) Dann braucht man Bürger, die keine Roboter sind, die kreativ sind, statt lammfromm zu gehorchen, innovativ sind, Forscher in jedem Sinne dieses Wortes, und nicht beschränkte Kleingeister. (...) Die meisten Leute werden auch heute noch nicht gerade dazu angespornt, Intelligenz zu entwickeln, sondern ziemlich massiv dazu programmiert, verhältnismäßig dumm zu bleiben. Denn wenn man sich in die Mehrzahl traditioneller Jobs integrieren will, braucht man eine solche Programmierung. (...) Menschen, die wirklich wissen wollen, warum Beethoven nach der Neunten auf einmal nur noch Streichquartette schrieb, oder ob Kant Hume tatsächlich zufriedenstellend widerlegt hat, oder was die neuesten Quantentheorien in bezug auf Determinismus und freien Willen bedeuten, sind keine Massen, die sich ohne weiteres zu langweiliger, entmenschlichter Arbeit zwingen lassen."
Robert Anton Wilson, in: DER NEUE PROMETHEUS (1983)

 

"Um diesen 'Standard' aufrechtzuerhalten, sind die meisten von uns bereit, ein Leben hinzunehmen, das vorwiegend darin besteht, mit langweiligen Betätigungen genügend Mittel zu erwerben, um in der Zwischenzeit hektischen und teuren Vergnügen nachzugehen, die vorübergehende Erleichterung der Langeweile mit sich bringen. Diese Unterbrechungen hält man für das richtige Leben, für den eigentlichen Zweck, dem das notwendige Übel der Arbeit dient." Alan Watts, in:

WEISHEIT DES UNGESICHERTEN LEBENS (1951)

 

"Der 'angepaßte' Mensch, der nicht in der Wahrheit lebt und nicht liebt, ist nur von offenkundigen Konflikten verschont. Solange er nicht völlig von seiner Arbeit eingenommen ist, muß er, um sich vor dem Schreckerlebnis des Alleinseins mit sich selbst und vor dem Blick in den Abgrund seiner Ohnmacht und menschlichen Armut schützen, die zahlreichen Wege des Ausweichens beschreiten, die unsere Kultur bietet."
Erich Fromm, in: PSYCHOANALYSE UND RELIGION (1966)

 

"Alles ist automatisiert, kein Mensch müsste mehr für die Herstellung dieser Güter arbeiten. (...) Und auch wenn eine solche Fabrik noch Utopie ist – genau dort steuern wir hin: (...) Die Menschen werden befreit von der Notwendigkeit zu arbeiten. Denn wir brauchen kein Recht auf Arbeit und keine Pflicht zur Arbeit – wir brauchen einen freien Willen zur Arbeit. (...) Wir haben kein Finanzierungsproblem – wir haben ein Kulturproblem. Wir leben in Aldous Huxleys 'Schöner neuer Welt', in der wir dauernd abgelenkt werden und unseren Weg nicht mehr finden. (...) Wir müssen die Dinge in die Zukunft denken, die Zukunft antizipieren, heute schon die Antworten auf die noch offenen Fragen finden. Und wenn es so weit ist, ein durchdachtes Konzept zur Verfügung haben." Götz W. Werner, in brand eins:

WIR LEBEN IN PARADIESISCHEN ZUSTÄNDEN (2005)

 

"Die Idee der Liebe fordert aber die individuelle Überwindung der monadischen Isolierung. Sie will die erfüllende Hingabe der Individualität in der unbedingten Solidarität von Person zu Person. (...) Aber die wirkliche Befriedigung der Individuen läßt sich nicht in eine idealistische Dynamik einspannen, welche die Erfüllung immer wieder hinausschiebt oder überhaupt nur in das Streben nach dem nie schon Erreichten verlegt. Nur GEGEN die idealistische Kultur kann sie sich durchsetzen; nur GEGEN diese Kultur wird sie als allgemeine Forderung laut. Sie tritt auf als die Forderung nach einer wirklichen Veränderung der materiellen Daseinsverhältnisse, nach einem neuen Leben, nach einer neuen Gestalt der Arbeit und des Genusses." Herbert Marcuse, in:

ÜBER DEN AFFIRMATIVEN CHARAKTER DER KULTUR" (1934-38)

 

"Tatsächlich jedoch zeigt der moderne Mensch außerhalb der Sphäre seiner Berufsarbeit nur äußerst wenig Selbstdisziplin. (...) Daß man faulenzen möchte, ist aber großenteils nichts anderes als eine Reaktion darauf, daß unser Leben durch und durch zur Routine geworden ist. Eben weil der Mensch sich acht Stunden am Tag gezwungen sieht, seine Energie auf Zwecke zu verwenden, die nicht seine eigenen sind, bei einer Arbeitsweise, die er sich nicht selbst aussuchen kann, sondern die ihm vom Arbeitsrhythmus vorgeschrieben wird, begehrt er auf, und sein Aufbegehren nimmt die Form eines kindlichen Sich-gehen-Lassens an. (...) Ohne diese Disziplin aber wird das Leben zersplittert und chaotisch, es fehlt ihm an Konzentration." Erich Fromm, in: DIE KUNST DES LIEBENS (1956)

 

 

DRACHENVAKUUM (c) De Toys, 16.7.08
DRACHENVAKUUM (c) De Toys, 16.7.08

1.Wahn:

Menschen werden gezwungen zu arbeiten, obwohl sie lieber frei sein möchten.

2.Wahn:
Menschen werden zu Arbeiten gezwungen, auf die sie keine Lust haben.

FISCHZEN (c) De Toys, 16.7.08
FISCHZEN (c) De Toys, 16.7.08

 

Warnung:
Wenn Menschen Menschen bleiben möchten, sind sie gezwungen, nicht zu arbeiten, bis das Arbeiten anders funktioniert.

Tom de Toys, 22./23.10.1999

DOPPELTE ENTFREMDUNG
Erläuterungen zum "Arationalen Arbeitsbegriff"

als Hommage an den Kreativitätsbegriff von Beuys


Kennst Du das: Du wachst morgens früh auf und spürst Dich so deutlich wie sonst nie im Laufe des Tages. Wie frisch geboren erinnerst Du Dich an die Welt und Deine Rolle in ihr und erschrickst darüber, daß dieses erste GROßE GEFÜHL im Getriebe des Alltags völlig untergeht. Gleich wirst Du wieder im Verkehr durch die Großstadt hetzen, um pünktlich am Arbeitsplatz zu sein, umgeben von all diesen ernsten Menschen, die das Gleiche tun. Und jetzt, genau wie Du, noch zwei Minuten in ihren Betten liegen, die Augen öffnen als sei es zum ersten Mal, und ganz genau wie Du dieses unheimliche Gefühl für sich selber spüren: daß sie da sind, einfach da, nicht wegzudenken, und gleich alles weitergeht wie bisher. Dieselbe Arbeit, dieselbe Mittagspause, derselbe Abschiedsgruß, dasselbe Kino, dieselbe Kneipe, und danach wieder dasselbe Bett. Wenigstens das Bett – ein Ort des Friedens. Unendliche Ruhe, Keinem Rechenschaft schulden, nur sich strecken und einkuscheln. Und vergessen. Eine Nacht lang vergessen, was Dich morgen erwartet. Bis ans Lebensende. Hier, im Bett, ist plötzlich alles so klar. So sonnenklar wie noch nie: Du atmest bewußt ein, tief ein, und wieder aus, tief aus. Und weißt, das ist der Anfang von allem. Umgeben von Luft. Umgeben von Sinn. Irgendwie Sinn. Denn Dein Gefühl sagt Dir, daß es Sinn macht, zu leben. Daß das Leben selber eigentlich unglaublich ist. Unglaublich schön und eine großartige Möglichkeit. Immerhin ist dieser Planet ein winziges Staubkorn im riesigen Weltraum. Und ein Menschenleben ist nur eine Sekunde im ganzen Geschehen. Und diese eine Sekunde gehört Dir. Nicht mehr und nicht weniger. Sie ist Dir mit der Geburt geschenkt. Und dann beginnt der Ärger: Sie schreiben Dir vor, wer Du sein sollst, wie Du Dich zu benehmen hast und ob Du überhaupt etwas darfst. Und dabei sind es auch bloß andere Menschen, die Dir befehlen und Dich bezahlen. Auch ihnen wurde diese kostbare Lebenszeit geschenkt. Und auch sie liegen morgens im Bett und gehen täglich derselben Arbeit nach. Unterdrücker, Bevormunder, Gesetzgeber, Machthaber – sie alle sterben irgendwann genau wie Du. Und dann? Was war? War überhaupt irgendwas? Hat es Sinn gemacht, die Andern auszubeuten, zu belügen und bestrafen? Wozu diente all der Reichtum letztlich? Wozu all das Gelaber, all das Getue, all die falschen und faulen Versprechungen? Etwas sagt Dir, daß sich schleunigst alles ändern muß. Eine innere Stimme, die schon lange leise in Dir spricht. Und jetzt auf einmal hörbar wird. Der ganze Schmerz, die ganze Trägheit, dieser Käfig der Gewohnheiten, Du bist es satt, es kotzt Dich an, Du möchtest frei sein! Leben! Einfach leben, geben und nehmen im Fluß der Gegenwart. Nicht ständig aus Angst ums Überleben kämpfen. Sondern dieses warme, freundliche Gefühl mit Anderen teilen. Diese Lust, das Dasein zu genießen. Zu genießen, indem Du für die Gesellschaft das ablieferst, was Du wirklich leisten kannst. Was Dir am Herzen liegt. Was Dir guttut und Spaß macht. Was Sinn macht. Was Dich selbst erfüllt und deshalb den Anderen Freude bereiten kann. Und sie Dich deshalb brauchen. Und wollen. Menschen, die sich wirklich brauchen und wollen. Anstatt sich dauernd auszubeuten und zu mißbrauchen. Ein freies Land, nein besser noch ein freier Planet, mit gesichertem Grundbedarf, um wirklich Kraft von innen zu entwickeln, noch mehr daraus zu machen als nötig ist. Weil die gegenseitig selbst genehmigte Freizeit Mut und Lust bereitet, nachzudenken, wie es noch viel besser werden könnte. Und dieses neue Denken ist endlich kein Nachkauen nett verpackter Sprüche sondern Dein eigener Wille, Deine ganz ureigene Fantasie. Du entdeckst Deine wahren Talente. Und Du beginnst, etwas zu schaffen, was Dir früher der Zeitdruck verbot. Du wirst zum Schöpfer, zum Erfinder. Ja, wenn nötig sogar zum Entdecker neuer Berufe. Und das Arbeiten hat endlich mit Deiner "Seele" zu tun. Weil Du nicht mehr für fremde Ziele schuftest sondern mit anderen freien Menschen gemeinsame Ziele verfolgst, die aus Freude am Leben, aus Freude am Aufwachen, entstehen. Ein Paradies auf Erden, in dem Jeder versorgt wird, weil genügend für Alle vorhanden ist. Weil alles so verteilt ist, daß Jeder bekommt, was er braucht. Und Keiner braucht mehr als er wirklich braucht.

 

WEIL DIE LIEBE DEN LUXUS ERSETZT.


Und die Liebe kommt durchs Atmen, diesem Schreck, morgens früh, wenn Du wach wirst, frisch geboren, und dann spürst, daß Du noch da bist, und daß es so viele wunderbare Dinge zu tun gibt, um dieses Leben für alle zu verbessern, dieses einzigartige, wunderbare Leben, diese kostbare Sekunde im Weltganzen, dieses ungeheure Wissen, daß die Lähmung aufhört, wenn die Angst aufhört. Und die Liebe FREI FLIEßEN kann. Und die Menschen zusammenschweißt wie Geschwister einer großen Familie. Und Jeder sich seinen Platz frei wählen darf, wo er am besten hingehört. Um glücklich zu sein und aus diesem Lebensglück heraus den Mut zu entwickeln, etwas Echtes zu tun. Etwas für die Gesellschaft zu tun, was genauso guttut wie das Bett, wenn es wärmt und Dich schützt. Denn Du möchtest Dich nicht mehr verkriechen und verstecken. Du möchtest auch tagsüber so echt sein wie mit Dir allein. Und eines schönen Morgens aufwachen und wissen, die Welt da draußen ist ebenso friedlich und ebenso lustig wie Dein Schlaf. Und endlich wieder lachen können. Und deshalb gerne aufwachen. Da wo Du wirklich bist. Kennst Du das ???

 

 

(c) Erstveröffentlicht in der G&GN-Edition "sonDAdruck"

für den 5. National Slam (Hamburg 15.-18.11.2001),

LETZTE LIVE-LESUNG: 8.3.2010 bei "4 im roten Kreis"

 

 

"Wenn der Mensch zur Liebe fähig sein soll, muß der Mensch selbst an erster Stelle stehen. Der Wirtschaftsapparat muß ihm dienen, und nicht er ihm. Er muß am Arbeitsprozess aktiven Anteil nehmen, anstatt nur bestenfalls am Profit beteiligt zu sein. Die Gesellschaft muß so organisiert werden, daß die soziale, liebevolle Seite des Menschen nicht von seiner gesellschaftlichen Existenz getrennt, sondern mit ihr eins wird. Wenn das, was ich zu zeigen versuchte, zutrifft - daß nämlich die Liebe die einzig vernünftige und befriedigende Lösung des Problems der menschlichen Existenz darstellt, dann muß jede Gesellschaft, welche die Entwicklung der Liebe so gut wie unmöglich macht, auf die Dauer an ihrem Widerspruch zu den grundlegenden Bedürfnissen der menschlichen Natur zugrunde gehen."

Erich Fromm, in: DIE KUNST DES LIEBENS (1956)

"Und um sechs Uhr früh lag ich an diesem Morgen schon wach, vom unerträglichen Gedanken gequält, auf der Welt zu sein. Ich fand ihn so ungeheuerlich, daß ich ganz still und reglos in meinem Bett liegen blieb und so tat, als schliefe ich noch, wohl um meinen Dämon zu betrügen. Seit vielen Tagen lag ich so, in meinem Zimmer, willen- und bewegungslos, als ob ich Fieber hätte. Ich wagte keinen Schritt mehr meinem Schicksal entgegenzugehen. Große Müdigkeit lag über meine Seele gebreitet."

Iwan Goll, in: DIE EUROKOKKE (1927)

Weitere Hörbeispiele:

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