G&GN-KONKURS 2004: "KLEINER SKANDAL - WARUM WIR WEITERMACHEN"

 

"Die meisten Leute werden auch heute noch nicht gerade dazu angespornt, Intelligenz zu entwickeln, sondern ziemlich massiv dazu programmiert, verhältnismäßig dumm zu bleiben. Denn wenn man sich in die Mehrzahl traditioneller Jobs integrieren will, braucht man eine solche Programmierung. (...) Menschen, die wirklich wissen wollen, warum Beethoven nach der Neunten auf einmal nur noch Streichquartette schrieb, oder ob Kant Hume tatsächlich zufriedenstellend widerlegt hat, oder was die neuesten Quantentheorien in bezug auf Determinismus und freien Willen bedeuten, sind keine Massen, die sich ohne weiteres zu langweiliger, entmenschlichter Arbeit zwingen lassen."
Robert Anton Wilson: DER NEUE PROMETHEUS (1983)

UPDATE 2011 / Kommentar von De Toys 1. Mai 2011 (13:42h)

zur LYRIKZEITUNG-Tickermeldung 26.4.2011:

"120. Lieber von Hartz IV gestützt als von der Kulturstiftung gefördert"

ja, auch hartz4 macht weiter. alles macht weiter… nachdem ich selbst 2004 respektlose sprüche auf dem amt ertragen mußte, engagierte ich mich in der kulturpartei (meine parteireden sind noch immer im netz lesbar: NEUROPOLITIK.de), die aber leider nicht genügend gewählt wurde. stattdessen übernahmen die großen parteien von unseren statuten das „innovative“ element für ihre neuen programme (man erinnere sich, wie sowohl CDU als auch SPD in ihren „krisen“ plötzlich „kultur“ REIN THEORETISCH als mehrwert „erkannten“, um ihre programme nach hundert jahren zu überarbeiten – welch eine elitäre, staatskunstvergoldende heuchlerei gegenüber der gesellschaftskritisch-kreativen gesamtszene!!!) – ansonsten säße ich jetzt im berliner senat (weil ich damals als landesvorsitzender spitzenkandidat war), und ich schwöre, die kunstwelt sähe dann HEUTE GANZ ANDERS aus ;-) hier die essayistische verarbeitung meines hartz-frustes 2004 mit dem einleitenden zitat der damaligen beamtin… inzwischen werde ich seit einigen jahren von meinen wechselnden fallmanagern (ja, nun hat man dank hartz4 als künstler sogar einen kostenlosen manager!) sehr individuell, respektvoll und kompetent beraten, hatte zwischenzeitlich einen „passenden“ nebenjob und sogar eine jobcenter-finanzierte ausbildung, die ich aber leider -wie ja bekannt ist- aufgrund einer im wahrsten sinne „nervtötenden“ krankheit abbrechen mußte. als künstler bin ich entschieden FÜR DAS „BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN“ als einzigen ausweg aus der schikane der kreativen masse, die sich NICHT in ihrer eckkneipe besäuft sondern TROTZ widriger umstände aus „innerer notwendigkeit“ (kandinsky) IMMER WEITER MACHT! faulheit ist nur eine sache der einfallslosen! der begriff arbeit sollte nicht nur bei künstlern sondern auch bei jedem beamten und jedem politiker mit dem begriff VISION verbunden werden, aber das ist natürlich naive zukunftsmusik…

 

"Das soll wirklich keine SCHIKANE sein, aber der STEUERZAHLER kann schließlich nicht für Ihr PRIVATVERGNÜGEN aufkommen! Suchen Sie sich einen JOB und machen Sie Ihre KUNST dann in der FREIZEIT - und alles ist gut..."
[O-Ton-Zitat: Neue Sozialamtangestellte, Brave New Cologne, Sommer 2004]

 


Tom de Toys, 7.12.04, 17-21 Uhr, betr.: Hartz 100


KLEINER SKANDAL - WARUM WIR WEITERMACHEN
("PRIVATVERGNÜGEN" CONTRA "HYPNOTISCHER ZOMBIßMUS")

 


[[VORREDE: Aufgrund des G&GN-Konkurses zum Jahresende 2004 nach 15 harten "freischaffenden" Jahren kann die bisherige hausinterne Terminseite des "Instituts für Ganz & GarNix" nicht mehr redaktionell betreut werden (mein treuer Pressesprecher Samuel Lépo wurde neben weiteren Mitarbeitern fristlos entlassen!), so daß ich nun persönlich HIER meine zukünftigen öffentlichen UnruheSTIFTungen bekannt gebe.]]


Ich freue mich insofern sehr auf das 1."verhartzte" Jahr 2005 als daß ich zwar meinen Status als sogenannter "professioneller" Künstler nach 11 Jahren mangels "voraussichtlichem Mindestjahreseinkommen" (nach 3 unterbezahlten Jahren in Folge) bei der KSK (Künstlersozialkasse) kündigen mußte, aber dafür nun meine Berufung zum Hobby machen darf, was insofern fürchterlich absurd und pervers ist (und dadurch einen grotesk-satirischen Charakter annimmt), weil ich natürlich weiterhin gezwungen bin, zwischen 10 und 12 Stunden täglich zu ARBEITEN, um meine Beiträge für die anstehenden Projekte PROfessionell umzusetZen, obwohl es wohl auch zukünftig meist kein oder wenig Honorar (bzw. nur "Aufwandsentschädigungen") geben wird. Seltsamerweise (an)erkennen unsere Politiker und andere wohlhabende Personenkreise offensichtlich so wenig den GESELLSCHAFTLICH GEMACHTEN (=erfundenen!) Zusammenhang zwischen AUFWAND & ARMUT "ihrer" Künstler, daß es ihnen noch nicht einmal peinlich ist, sich mit den Erfindungen und Errungenschaften einiger "auserwählter" Schein-Stellvertreter zu schmücken. Vielleicht glauben sie wirklich, daß das "wichtige" innovative, kreative Potenzial automatisch identisch sein müßte mit Bekanntheitsgrad, Ruhm, Starkult, Medienrummel, Preisen, Stipendien und was sonst noch zur modernen Egomanie gehört. Wer sich aber nur 1 klitzekleinen Schritt in den ECHTEN UNDERGROUND wagt, wer sich also nach Feierabend nicht in seiner Villa abschottet und nur TV glotzt sondern einmal RAUS geht, wirklich raus in die real-existente Subkultur-Szene, der wird überrascht sein, WIE VIELE UNBEKANNTE kritische Geister hochinteressante fragile Aktionen und Projekte trotz maßlos unwürdiger Lebensumstände realisieren, weil das kleinlaute Kapitulieren für einen Künstler noch selbstzerstörerischer ist als die ganze Selbstausbeutung im Dienste spiritueller Wahrheiten und der Fortentwicklung ästhetischer Prozesse. So manch karrieregeile Sozialamtangestellte muß sich dabei zwar einbilden, daß Kunst per se ein "Privatvergnügen" sei, weil sie sich sonst beim Verwechseln der Begriffe Einnahmen und Einkommen enorm schämen müßte, wenn sie sich blind dafür macht, daß AUSGABEN für Recherche, (Be-)Werbung(en), permanente Promotion, akute Presse, Material, Arbeitszeit, Anfahrtskosten, gesundheitliche Folgenbekämpfung und und und: ...so wie bei jeder normalen Firma mit den Einnahmen verrechnet werden müssen, um ein eventuelles reales Einkommen zu definieren. Das Arbeitsamt (Pardon: die Arbeits-"Agentur"), sprich: der Steuerzahler, erstattet nur "Standard"-Bewerbungskosten (schickes Foto, Kopien der Anschreiben und Porto), die einen Künstler gar nicht betreffen, während unsereins Demo-CD`s, Buch-Rezensionsexemplare, Video-Bänder etc pp. verteilen muß, um überhaupt eine geringe Chance zu haben, in dem ganzen ekligen Klüngel, diesem Sumpf aus Intrigen und Vetternwirtschaft, mitmachen zu dürfen - ohne sich dabei "VEREINnahmen" zu lassen. Probleme, die kein Kanzler kennt - oder wenn, dann nur aus spannenden "Künstlerromanen" und von Hollywood aufgearbeiteten Biografien. Der hypnotische Zombißmus sowohl ersten als auch zweiten Grades (das sind die lebenden Verfechter toter Traditionen: 2.Reihe-Star-Stellvertreter) funktioniert ja inzwischen multimedial umfassend, und im Grunde braucht diese Desinteresse-Gesellschaft (Begriff von Lord Lässig) genauso wenig echte, eigenständige ("eigenbrödlerische") Produzenten von Kunstwerken (es sei denn, sie lassen sich kapitalistisch instrumentalisieren!!!) wie sie auch keine echte, neue Kunst benötigt (es sei denn als schickes Alibi-Sahnehäubchen!!!) sondern immer wieder wechselnde Zurschaustellung ihrer Kellerarchive betreiben kann. Ich schreibe das hier nicht im Glauben, daß noch niemand davon wüßte, nein, es wissen ALLE Bescheid, restlos alle, und es steht auch in vielen Büchern bereits besser formuliert als ich das hier auf die Schnelle (vom vielleicht einzigen nikotinfreien Internetcafé Berlins aus für bis jetzt 6 Euro 10 online) kann, aber entscheidend ist hierbei, daß es wichtig ist, immer wieder und wieder an möglichst vielen Stellen auf die Schwächen unseres ach so "sozialen" Sozialstaates aufmerksam zu machen. Schwächen, die gerne unter den Teppich gekehrt werden - unter den roten Läufer einer Benefiz-Gala ebenso wie unter die Wohnzimmerteppiche all der zigtausend röhrenden Hirsche... aber zurück zur Idee des "Privatvergnügens": dieselbe Bürokraft, die einen LEBENDEN Künstler für einen Schmarotzer hält, geht nach Dienstschluß als Parfumwolke getarnt in die Philharmonie, um ihre eigene zarte Seele vielleicht mit Eric Satie`s Kinderliedern zu füttern, weil sie eine seiner Ohrwurm-Melodien aus der Margarine-Werbung kennt. Daß DER allerdings völlig verarmt und vereinsamt "frühvollendet" starb (das muß man sich als anständiger Spießer auf der Zunge zergehen lassen: früh-voll-endet, wie wunderbar), ist ihr ebenso unbekannt wie es ihren Vorstellungshorizont gnadenlos übersteigt, daß irgendein zeitgenössischer Künstler IN GENAU DEMSELBEN MOMENT IHRES KUNSTKONSUMS ein genialisches Werk schafft, das dann in weiteren hundert Jahren die Massen ins Museum lockt, oder zum Kauf von Margarine verführt... Also: WIR MACHEN ALLE WEITER (auch ohne Brinkmann), gleich den wilden Rosen, die immerzu bunt blühen (auch ohne Beuys), ja, in jedem Stadium ihrer Entfaltung in einem anderen Farbton blühen, im festen Glauben an den Wert unserer freien Forschung, wir machen weiter, Tag für Tag und Nacht für Nacht. Wir träumen schlecht und wir essen billig, aber wir lieben tief und ehrlich, unsere Arbeit, unsere Leidensgenossen und auch unser Land, das insgeheim DOCH das Land der Dichter und Denker ist. So wie wir jedes Land, jede Kultur und jede Vision lieben, die über den Tellerrand ihrer eigenen verschimmelten Buchstabensuppe hinausschaut.


[[NACHREDE: Und deshalb (lange Rede kurzer Sinn) gibt es hier in Zukunft auch meine eigenen Angebote nachzulesen, für die Erwachten als Trostpflaster, für die Schlafenden als Alarmwecker - und für die Dämmernden zum Räkeln (nicht zum Häkeln!), auf daß sie sanft aus ihren Betten fallen mögen...]]

Weitere Hörbeispiele:

www.DirekteDichtung.de

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